Uefa droht mit WM-Boykott
Im Streit um mögliche private Investoren für die Fußball-WM macht die Uefa Druck auf die Fifa. Europas 55 Verbände lehnen die Pläne ab und stellen sogar einen Boykott der Männer-WM in den Raum.

Im Weltfußball eskaliert der Streit um die Zukunft der WM: Die Uefa stellt sich offen gegen mögliche Investorenpläne von Fifa-Chef Gianni Infantino. Hintergrund ist die Idee, Teile der Fußball-Weltmeisterschaften für private Geldgeber zu öffnen. Europas Verbände lehnen das geschlossen ab – und haben für diesen Fall sogar einen Boykott von Fifa-Turnieren angekündigt.
Europa zieht eine klare Linie
Aus Sicht der Uefa ist die WM ein historisch gewachsenes Turnier, das nicht verkauft werden dürfe – auch nicht teilweise. Sportjournalist Johannes Aumüller spricht von einer ungewöhnlich scharf formulierten Haltung. Dass Europas Fußballfamilie derart geschlossen auftritt, gilt als starkes Signal an die Fifa.
Besonders brisant: Hinter der Drohung stehen alle 55 europäischen Verbände. Sollte es tatsächlich zu einem Boykott kommen, würde das die Bedeutung einer WM massiv verändern. Denn dann fehlten unter anderem große Fußballnationen wie Deutschland, England, Frankreich und Spanien – ebenso der aktuelle Weltmeister und der nächste Gastgeber.
Auch aus Amerika kommt Widerstand
Der Druck auf die Fifa wächst nicht nur in Europa. Kurz nach der Uefa-Entscheidung hat auch Concacaf mit 35 Stimmen die Investorenpläne einstimmig abgelehnt. Der Verband aus Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik galt eher als nah an Infantino. Umso deutlicher ist das Signal.
- Die Fifa hat 211 Mitglieder.
- Für eine Entscheidung dieser Art wären 106 Stimmen nötig.
- Europa und Concacaf bringen zusammen bereits 90 ablehnende Stimmen.
Laut Aumüller gab es zudem kritische Töne aus dem asiatischen Verband. Damit wird es für die Fifa deutlich komplizierter, einen solchen Deal durchzusetzen. Die Debatte hat den Weltfußball jedenfalls voll erfasst – und die Frage steht im Raum, wie weit dieser Machtkampf noch gehen wird.