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Musik & Film8. Oktober 2026, 09:03 Uhr · von Redaktion

„Twilight“ stürmt Russlands Kinos

In Russland hat der Vampirfilm „Twilight – Biss zum Morgengrauen“ im September alle Neustarts abgehängt. Die Wiederaufführung spielte laut Medienberichten rund 340 Millionen Rubel ein – auch wegen fehlender neuer Hollywood-Filme.

Überraschung an der russischen Kinokasse: „Twilight – Biss zum Morgengrauen“ aus dem Jahr 2008 war im September erfolgreicher als sämtliche Neustarts. Laut der Zeitung „RBK“ brachte die Rückkehr des Films rund 340 Millionen Rubel ein, umgerechnet etwa 3,3 Millionen Franken. Damit führte ausgerechnet ein älterer Vampirfilm die Monatscharts an.

Warum ein Film von 2008 plötzlich wieder zieht

Der Hintergrund ist politisch und praktisch zugleich. Viele große US-Studios wie Warner Bros. oder Universal haben sich nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine aus Russland zurückgezogen. Dadurch fehlen regulär angelieferte Hollywood-Blockbuster. SRF-Russland-Korrespondent Calum MacKenzie erklärt, dass legale Lizenzen schwer zu bekommen seien und Kinos teils auf Material aus dem Ausland angewiesen seien. Wenn das nicht verfügbar ist, greifen Betreiber offenbar auf ältere Titel zurück, für die schon länger Rechte bestehen.

  • Hollywood-Studios haben den russischen Markt weitgehend verlassen.
  • Neue US-Blockbuster kommen nur eingeschränkt oder gar nicht ins Kino.
  • Ältere Filme mit vorhandenen Lizenzen werden deshalb wieder attraktiver.

Nostalgie schlägt Neustarts

Nach Einschätzung von Filmkritikern profitiert die Reihe zusätzlich von ihrem Kultstatus. Für viele Zuschauer bleibt „Twilight“ vor allem eine leicht konsumierbare Liebesgeschichte. Kritikerin Elena Fomina sieht darin auch ein starkes Nostalgie-Thema. SRF-Filmexperte Enno Reins bestätigt diesen Trend: Das Publikum greife gern zu Stoffen, die es bereits kennt. Laut Medienberichten soll mit dem Kinocomeback sogar das Interesse an den „Twilight“-Büchern wieder gestiegen sein.

Bemerkenswert ist der Fall auch statistisch: Laut SRF war es zum ersten Mal seit Beginn der offiziellen russischen Kinostatistik, dass ein älterer Film der umsatzstärkste Titel eines Monats wurde. Zwar laufen in Russland immer wieder Wiederaufführungen wie „La La Land“ oder „Die fabelhafte Welt der Amélie“, doch ein solcher Spitzenplatz ist neu. Vor dem Ukrainekrieg kam nur etwa ein Drittel des Marktes aus russischen Produktionen, der Rest war aus dem Ausland. Diese Lücke lässt sich offenbar bis heute nicht einfach schließen.

Gleichzeitig zeigt der Erfolg auch einen Widerspruch: Einerseits setzt der Kreml stark auf traditionelle Werte und patriotische Kultur, andererseits bleibt westliche Unterhaltung gefragt. Gerade in Kriegszeiten, so die Einschätzung von Calum MacKenzie, soll für viele Menschen offenbar ein Stück Alltagsnormalität erhalten bleiben – und dazu gehört für viele eben auch Kino mit vertrauten Hollywood-Geschichten.

Quelle: SRF