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Politik15. Oktober 2026, 07:01 Uhr · von Redaktion

Tirana brennt nach Protesten

In Tirana sind Studentenproteste gegen Korruption und Missstände im Bildungswesen massiv eskaliert. Am zweiten Tag geriet das Bildungsministerium in Brand, laut Berichten wurden zuvor 40 Menschen festgenommen und 13 verletzt.

Tirana brennt nach Protesten

Foto: Albinfo / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Die Lage in Tirana ist nach tagelangen Protesten von Studierenden außer Kontrolle geraten. Aus Demonstrationen gegen Korruption, hohe Ausbildungskosten und schlechte Bedingungen an den Hochschulen wurden schwere Ausschreitungen. Am zweiten Protesttag versammelten sich tausende Demonstranten vor dem Bildungsministerium, wo schließlich Feuer ausbrach.

Bereits am Dienstag hatte der Protest friedlich begonnen, ehe die Stimmung kippte. Laut Medienberichten flogen später Ziegel und Steinplatten, an mehreren Punkten im Zentrum kam es zu Krawallen. Geschäfte und Banken wurden beschädigt, auch der Sitz der Stadtverwaltung wurde demnach gestürmt. Die Polizei reagierte mit Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken. Berichtet wurde auch von Gewalt gegen Unbeteiligte; fünf Beamte wurden deshalb suspendiert.

Ministerium in Flammen

Am Mittwoch erreichte die Eskalation einen neuen Höhepunkt. Demonstranten rissen Absperrungen nieder, warfen Mülltonnen um und attackierten das Gebäude des Bildungsministeriums mit Steinen. Kurz darauf stand das Ministerium in Flammen. Ein Reuters-Augenzeuge berichtete zudem von einem Brand in einer nahe gelegenen Bankfiliale. Nach Angaben aus den Berichten wurden im Verlauf der Unruhen 40 Menschen von der Polizei abgeführt, 13 Personen verletzt, darunter sechs Polizisten.

  • Auslöser: Proteste gegen Missstände im Bildungswesen
  • Forderungen: bessere Studienbedingungen, niedrigere Kosten, mehr Perspektiven
  • Politisch: Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama verlangt

Teil einer größeren Protestwelle

Die Studentenproteste stehen im Zusammenhang mit der sogenannten „Flamingo-Revolution“ in Albanien. Diese Bewegung entzündete sich an einem umstrittenen Bauprojekt in einem Naturschutzgebiet an der Adriaküste. Das Vorhaben wird von Regierungschef Edi Rama unterstützt, die Flamingos der Region wurden zum Symbol des Widerstands. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Albana Kociu verurteilte die Gewalt und rief die Studierenden dazu auf, sich klar von Vandalismus zu distanzieren.

Damit wächst der Druck auf die Regierung deutlich. Die aktuellen Unruhen gelten als bislang schwerste Eskalation der Protestbewegung und treffen ein politisches System, gegen das sich inzwischen nicht mehr nur Umweltaktivisten, sondern auch viele junge Menschen im Land wenden.

Quelle: SRF