Tilda radelt zurück zur Mauer
Regisseurin Cynthia Beatt zeigte im Zoo Palast in Berlin ihre beiden Mauer-Filme mit Tilda Swinton. Das Doppel aus 1988 und zum 20. Jahrestag des Mauerfalls macht den Wandel der Stadt als seltenes Zeitdokument sichtbar.

Foto: Wikimedia Commons / Manfred Werner - Tsui, CC BY-SA 4.0
Cynthia Beatt hat in der Berliner Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ zwei besondere Arbeiten zurück auf die Leinwand gebracht: „Cycling the Frame“ von 1988 und „The Invisible Frame“. Im Zoo Palast wurden damit gleich zwei Fahrten entlang der Berliner Mauer gezeigt – beide mit Tilda Swinton auf dem Fahrrad, aber in völlig unterschiedlichen Zeiten.
Zwei Filme, eine Strecke, zwei Epochen
Im ersten Film radelt Swinton die 163 Kilometer entlang der damaligen Mauer. Im späteren „The Invisible Frame“ wiederholt sie die Tour noch einmal zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Der entscheidende Unterschied: Vieles von dem, was einst unübersehbar war, ist inzwischen aus dem Stadtbild verschwunden. Laut Beatt wusste Swinton an manchen Stellen selbst nicht mehr genau, wo die Mauer früher verlief.
- „Cycling the Frame“: produziert 1988
- „The Invisible Frame“: zum 20. Jubiläum des Mauerfalls
- Ort der Vorführung: Zoo Palast in Berlin
Die Mauer vor der Haustür
Die Idee zu dem ersten Film kam Beatt aus ihrer eigenen Berliner Erfahrung. Die britische Regisseurin war 1975 nach West-Berlin gezogen und lebte am Potsdamer Platz, damals noch eine leere Brache des Kalten Kriegs. Von ihrer Dachwohnung aus blickte sie direkt auf den Todesstreifen. Wer in der Stadt unterwegs war, kam mit dem Rad oft zwangsläufig an der Mauer vorbei – genau daraus entwickelte sich schließlich das Filmprojekt.
Für den zweiten Teil hätte Beatt nach eigener Aussage gern schon das Zehnjährige des Mauerfalls genutzt. Doch der RBB, Nachfolger des SFB und Produzent des ersten Films, zeigte damals kein Interesse. Später entstand das Projekt dann doch – diesmal mit 3sat und Filmgalerie 451. Die Rechte an „Cycling the Frame“ liegen weiterhin beim RBB.
Beatt, die aktuell mit ihrem neuen Film „Heart of Light – Eleven Songs of Fiji“ unterwegs ist, arbeitet seit Jahrzehnten mit Swinton zusammen. Nach dem Berliner Abend zog sie für die Zukunft noch ein Fazit: Die beiden Mauer-Filme will sie nun lieber in zeitlicher Reihenfolge zeigen. Gerade so werde am deutlichsten, wie stark sich Berlin verändert hat.
Quelle: morgenpost