Taliban erhöhen Pass-Druck
Die Taliban setzen laut NDR-Recherchen mehrere EU-Staaten unter Druck, um eigene Diplomaten in Europa zu platzieren. Über die afghanische Botschaft in Berlin werden Reisepässe für Menschen aus Nachbarländern demnach nicht mehr bearbeitet.

Foto: isafmedia / Wikimedia Commons, CC BY 2.0
Die Taliban verschärfen nach Recherchen des NDR ihren Kurs gegenüber mehreren europäischen Staaten. Ihr Ziel: mehr eigene Diplomaten in Europa unterzubringen. Als Hebel dient offenbar der Zugang zu Reisepässen und anderen Konsulardokumenten, auf die viele Afghaninnen und Afghanen dringend angewiesen sind.
Berlin wird zum Nadelöhr
Vor der afghanischen Botschaft in Berlin ist der Andrang groß. Dort werden weiterhin wichtige Unterlagen wie Pässe, Geburtsurkunden oder Erbscheine ausgestellt. Möglich ist das laut Bericht, weil die Vertretung inzwischen faktisch von einem Taliban-Vertreter geführt wird, der direkten Kontakt nach Kabul hat. Bis vor wenigen Wochen reisten deshalb auch viele Afghanen aus Ländern wie Belgien, Frankreich, der Schweiz oder Österreich nach Berlin.
Doch damit ist Schluss: Wer nicht in Deutschland lebt, bekommt dort inzwischen keine Dokumente mehr. Der frühere Diplomat und Taliban-Gegner Hamid Kabiri wertet das als gezielten Druck - sowohl auf Betroffene als auch auf Regierungen in Europa, damit diese Taliban-nahe Konsularbeamte akzeptieren.
Vertretungen in anderen Ländern blockiert
In mehreren europäischen Hauptstädten werden afghanische Botschaften weiter von Diplomaten geführt, die noch vor der Machtübernahme im August 2021 entsandt wurden und als Gegner des Regimes gelten. Diese Vertretungen in
- Brüssel
- Paris
- Genf
- Wien
können laut Bericht aber keine Pässe und ähnlichen Dokumente mehr ausstellen, weil ihnen der Zugang aus Afghanistan abgeschnitten wurde.
Der afghanische Botschafter in Belgien, Nazifullah Salarzai, warnt vor den Folgen für Exil-Afghanen in Europa. Gerade konsularische Dokumente seien für den Alltag unverzichtbar. Nach seiner Einschätzung versuchen die Taliban seit 2021 systematisch, Auslandsvertretungen unter ihre Kontrolle zu bringen - und würden dafür auch administrative Mittel einsetzen.
Quelle: Tagesschau