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Politik30. Oktober 2026, 07:03 Uhr · von Redaktion

Streit bei den Tichanowskis

Der belarussische Regimekritiker Sergej Tichanowski greift nach seiner Freilassung die Exil-Opposition an. Besonders das Büro seiner Frau Swetlana stellt er öffentlich infrage.

Streit bei den Tichanowskis

Sergej Tichanowski mischt die belarussische Opposition im Exil wieder auf. Der Blogger und Gegner von Machthaber Alexander Lukaschenko war im Mai 2020 festgenommen worden, nachdem er angekündigt hatte, selbst bei der Präsidentenwahl antreten zu wollen. Später wurde er zu 18 Jahren Haft verurteilt. Nach fast fünf Jahren kam er am 21. Juni 2025 frei und wurde außer Landes gebracht.

Seine Inhaftierung hatte damals eine politische Kettenreaktion ausgelöst: Seine Frau Swetlana Tichanowskaja übernahm seine Rolle und trat gegen Lukaschenko an. Nach der Wahl im August 2020, deren offizielles Ergebnis massive Zweifel auslöste, gingen in Belarus viele Menschen auf die Straße. Die Proteste wurden brutal niedergeschlagen, tausende Kritiker wurden festgenommen oder flohen ins Exil. Tichanowskaja selbst wurde danach zu einer der bekanntesten Stimmen der Demokratiebewegung.

Angriffe aus dem Exil

Rund 14 Monate nach seiner Freilassung ist Sergej Tichanowski nun wieder auf seinem YouTube-Kanal aktiv. Dort attackiert er nicht nur Lukaschenko, sondern auch das Umfeld der Exil-Opposition. In seinen Streams kritisiert er das Büro seiner Frau, Exil-Medien und Analysten. Dabei stellt er offen infrage, ob Tichanowskaja ihre politische Legitimation wirklich von den Menschen in Belarus erhalten habe.

Zugleich zeichnet er ein ernüchterndes Bild der belarussischen Diaspora. Viele Auslands-Belarussen seien inzwischen unpolitisch geworden, sagt Tichanowski. Sie hätten sich im Ausland ein neues Leben aufgebaut und würden wohl nicht mehr weiterziehen. Seine Botschaft: Die Exil-Opposition verliere den direkten Draht zu jenen, die sie vertreten will.

Sein Plan für die Opposition

Als Ausweg schlägt Tichanowski ein „Vereinigtes Büro der demokratischen Kräfte“ vor. Dort soll ein Aufsichtsrat aus bekannten Gesichtern der Protestbewegung und früheren Präsidentschaftsbewerbern entstehen.

  • Teilnehmer des Wahlkampfs von 2020
  • Anführer der Proteste
  • Symbolfiguren der belarussischen Opposition

Nach seiner Darstellung könnte so zumindest eine gewisse Legitimation durch Belarussen selbst entstehen. Über seine Frau sagt Tichanowski außerdem, sie sei 2020 nicht mit dem Anspruch angetreten, dauerhaft politische Führungsfigur zu werden. Genau dieser Punkt zeigt, wie sehr der Konflikt der Tichanowskis inzwischen die Richtung der belarussischen Opposition prägt.

Quelle: DW Deutsch