Stopp für Oranier-Marsch
Der britische Nordirland-Minister Chris Bryant hat eine umstrittene Parade des protestantischen Oranier-Ordens in Portadown verboten. Der Zug über die mehrheitlich katholische Garvaghy Road hatte zuvor wochenlang Proteste ausgelöst.

Foto: Wikimedia Commons / Chris McAndrew, CC BY 3.0
Nach einem wochenlangen Streit ist die Entscheidung gefallen: Der britische Nordirland-Minister Chris Bryant hat die geplante Parade des protestantischen Oranier-Ordens in Portadown untersagt. Besonders umstritten war die Route über die Garvaghy Road, ein mehrheitlich katholisches Wohngebiet. Genau dort hatte es im Vorfeld heftigen Widerstand gegeben.
Brisant ist der Fall auch deshalb, weil die Strecke zuvor erstmals seit fast drei Jahrzehnten wieder von einer Kommission freigegeben worden war. Anwohnerinnen und Anwohner, Aktivistinnen und Aktivisten sowie Politikerinnen und Politiker protestierten dagegen. Gegendemonstrationen hatten den Marsch bislang verhindert.
Kompromiss gescheitert
Eine Einigung zwischen den Beteiligten kam nicht zustande. Bryant erklärte laut der britischen Nachrichtenagentur PA, es habe Gespräche über eine Lösung gegeben, am Ende sei aber kein Kompromiss möglich gewesen. Erleichtert reagierte Nordirlands Regierungschefin Michelle O’Neill von der katholisch-republikanischen Partei Sinn Fein.
Der Oranier-Orden will die Sache jedoch nicht auf sich beruhen lassen. Die protestantische Organisation kündigte an, gegen das Verbot vor Gericht zu ziehen.
Warum die Märsche so umkämpft sind
Die Paraden des Oranier-Ordens erinnern an den Sieg von Wilhelm von Oranien in der Schlacht am Boyne im Jahr 1690. Für viele Protestantinnen und Protestanten ist das Teil ihrer Tradition. Auf katholischer Seite werden diese Umzüge dagegen oft als Provokation und als Symbol historischer Unterdrückung gesehen — vor allem dann, wenn sie durch katholisch geprägte Viertel führen.
- geplante Parade in Portadown verboten
- Streitpunkt war die Route über die Garvaghy Road
- Der Oranier-Orden will die Entscheidung anfechten
Der Konflikt ist nicht neu: In der Vergangenheit hatten Auseinandersetzungen um solche Märsche immer wieder zu blutigen Zusammenstößen geführt. Umso größer ist jetzt die politische Bedeutung des Verbots.
Quelle: ORF