JETZT LIVE
Sport19. August 2026, 17:01 Uhr · von Redaktion

Sommerpisten brechen weg

Nach Zermatt, Saas-Fee und nun auch dem Stilfserjoch werden Sommertrainings für Skiteams immer schwieriger. Besonders der Nachwuchs leidet, weil Gletscher schließen und Alternativen teuer oder knapp sind.

Sommerpisten brechen weg

Foto: W. Bulach / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Für Skiteams wird das Training auf Schnee im Sommer immer komplizierter. Nach Zermatt und Saas-Fee fällt nun auch das Stilfserjoch als Trainingsort weg. Die Betreiber im Südtirol haben den Sommerbetrieb eingestellt, weil die Temperaturen zu hoch sind und aus ihrer Sicht weder Sicherheit noch Qualität der Pisten noch zuverlässig gewährleistet werden können.

Schon Anfang August war in Zermatt der reguläre Sommerbetrieb auf dem Theodulgletscher wegen der massiven Gletscherschmelze gestoppt worden. Swiss-Ski kann dort zwar dank einer Sonderlösung teilweise weitertrainieren. Für viele andere Teams wird die Lage aber enger – und besonders für den Nachwuchs. Denn während die Weltcup-Spitze eher auf Trainingslager auf der Südhalbkugel ausweichen kann, sind solche Reisen für jüngere Kader deutlich aufwendiger und vor allem teuer.

Skihallen werden plötzlich wichtig

Weil klassische Sommerpisten schwinden, rücken Skihallen stärker in den Fokus. Laut SRF-Ski-Experte Marc Berthod galten sie früher teils als wenig attraktiv, inzwischen werden sie deutlich ernster genommen. Der Grund: Dort herrschen verlässliche Bedingungen, und in kurzer Zeit lassen sich viele Läufe absolvieren. Das Problem: Auch dort steigt die Nachfrage, freie Trainingsfenster werden knapper.

  • Gletscherangebote im Sommer nehmen ab
  • Auslandsreisen sind für Nachwuchsteams oft zu teuer
  • Skihallen bieten konstante Bedingungen, sind aber stark gefragt

Trainingskalender wird umgebaut

Die Teams reagieren bereits auf die neuen Bedingungen. Statt wie früher nach der Saison länger zu pausieren und erst später wieder auf Schnee zu gehen, versuchen sie nun, Winter und Frühling stärker auszunutzen. In hohen Lagen bleiben die Pisten am Morgen oft länger hart und kompakt. Der längere Konditionsblock folgt danach. Im Herbst geht es dann möglichst früh zurück auf die Ski, teils schon Anfang Oktober – etwa dort, wo mit Schneedepots gearbeitet wird.

Für die Schweiz hat das auch eine strategische Seite. Über Jahre galten Zermatt und Saas-Fee als besonders verlässliche Sommerstandorte. Dieser Vorteil schmilzt mit dem Schnee zunehmend dahin. Die Höhe bleibt zwar ein Plus für Training im Frühling und Herbst. Im Hochsommer aber dürfte der Betrieb auf den Gletschern laut Einschätzung von Experte Berthod mittelfristig kaum mehr zu halten sein.

Quelle: SRF