Selges Blick auf Jura
Schauspieler und Autor Edgar Selge hat mit „Juras letzter Winter“ sein zweites Buch veröffentlicht. Darin verbindet er das Tagebuch eines Jungen aus dem belagerten Leningrad 1941/42 mit Erinnerungen an die eigene Kindheit.

Foto: Wikimedia Commons / Martin Kraft, CC BY-SA 4.0
Edgar Selge legt mit „Juras letzter Winter“ sein zweites Buch vor. Im Zentrum steht der junge Russe Jura Rjabinkin, der während der deutschen Belagerung von Leningrad 1941/42 Tagebuch führte. Ausgehend von dessen realem Schicksal erzählt Selge zugleich erneut von seiner eigenen Kindheit und Jugend.
Ein Tagebuch, das nachwirkt
Der 78-jährige Schauspieler und spät zum Schreiben gekommene Autor greift damit ein historisches Dokument auf, das ihn offenkundig tief beschäftigt. Jura war 15 Jahre alt, als er seinen Alltag und den seiner Familie im belagerten Leningrad notierte. Seine Aufzeichnungen enden mit seinem Hungertod im Alter von 16 Jahren. Selge interessiert an diesem Zeugnis vor allem die geistige Kraft des Jungen, seine Genauigkeit beim Beobachten und seine große Leidenschaft für Bücher.
Auch persönliche Berührungspunkte spielen dabei eine Rolle. Selge hat nach eigenen Angaben als Jugendlicher teilweise dieselben Bücher gelesen wie Jura, darunter Jack Londons „Liebe zum Leben“. In seinem neuen Buch nähert er sich dem Jungen nicht nur als Autor, sondern auch als Leser, der in dessen Notizen eine ungewöhnliche Souveränität erkennt – selbst angesichts des nahen Todes.
Kindheit, Krieg und Familiengeschichte
Wie schon in seinem Debüt kehrt Selge dabei ins „Parterre der Kindheit“ zurück. Er schreibt über das Aufwachsen zwischen einer tiefgläubigen Mutter und einem strengen Vater, der aus dem Krieg in Weißrussland heimgekehrt war und über diese Zeit schwieg. Die Begegnung mit Juras Tagebuch stößt für Selge deshalb auch eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Familienerbe an.
- Zweites Buch von Edgar Selge
- Historischer Kern: das Tagebuch von Jura Rjabinkin
- Verknüpfung von Kriegsgeschichte und eigener Biografie
So wird „Juras letzter Winter“ mehr als eine literarische Annäherung an ein Opfer der Leningrader Blockade. Das Buch verbindet historische Erinnerung mit der Frage, wie sehr Herkunft, Kindheit und das Schweigen der Eltern das eigene Leben und Schreiben prägen.
Quelle: sr_de