JETZT LIVE
Politik9. Oktober 2026, 19:01 Uhr · von Redaktion

Schröder-Trip nach Moskau empört

Altkanzler Gerhard Schröder hat in Moskau den 74. Geburtstag von Wladimir Putin besucht. In Berlin reagieren Kanzleramt, SPD, Grüne und FDP mit scharfer Kritik und teils ungewöhnlich deutlichen Worten.

Der Besuch von Gerhard Schröder in Moskau sorgt in Berlin für heftige Reaktionen. Der frühere Bundeskanzler nahm am 74. Geburtstag von Wladimir Putin teil – und löste damit im politischen Berlin Kopfschütteln, Wut und Empörung aus. Vor allem im Kanzleramt ist der Ärger groß.

Regierungssprecher Steffen Meyer erklärte, Bundeskanzler Friedrich Merz sei über das Treffen tief empört. Aus Sicht des Kanzlers sei es angesichts des Kriegs gegen die Ukraine und des damit verbundenen Leids unmoralisch, ausgerechnet an diesem Tag mit Putin zu feiern. Auch der Umstand, dass Schröders Reise laut Bericht nicht mit Außenministerium, Kanzleramt oder Innenministerium abgestimmt war, verschärft die Debatte.

Scharfe Kritik aus mehreren Parteien

Nicht nur die Bundesregierung reagiert deutlich. SPD-Vizekanzler Lars Klingbeil nannte den Auftritt demnach völlig inakzeptabel. In der SPD überwiegt offenbar frustriertes Schulterzucken über den früheren Parteikollegen, den man vergeblich aus der Partei ausschließen wollte. Bärbel Bas sprach davon, dass es traurig sei, wenn jemand am Ende sein politisches Erbe selbst beschädige.

  • SPD: scharfe Ablehnung und Resignation
  • Grüne: Vorwurf einer Schande und eines Verrats an Europa
  • FDP: besonders harte persönliche Kritik an Schröder

Lange Freundschaft, neue Empörung

Die Nähe zwischen Schröder und Putin ist nicht neu. Schon früher feierten beide gemeinsame Geburtstage – etwa in Hannover und Sankt Petersburg. Nun zeigt ein Foto die beiden erneut beim Händeschütteln in Moskau. Schröder selbst hatte zu seiner Haltung bereits klargemacht, dass er sich in dieser Frage nichts vorschreiben lassen wolle.

Seit 2022, so der Tenor in Berlin, handele der Ex-Kanzler nur noch in eigener Sache. Sein Altkanzlerbüro mit Mitarbeitern und Fahrer war bereits zuvor vom Haushaltsausschuss ruhend gestellt worden; eine Klage dagegen blieb ohne Erfolg. Der neue Besuch in Moskau dürfte die Debatte über Schröders Rolle und seine Kreml-Nähe nun weiter anheizen.

Quelle: Tagesschau