Schröder-Reise sorgt für Wut
Der Besuch von Altkanzler Gerhard Schröder bei Wladimir Putin in Moskau löst parteiübergreifend massive Kritik aus. Selbst Kanzler Friedrich Merz nennt die Reise vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs moralisch nicht vertretbar.

Foto: Bernd Schwabe in Hannover / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Der Besuch von Gerhard Schröder bei Russlands Präsident Wladimir Putin hat in Deutschland eine Welle der Empörung ausgelöst. Anlass der Reise nach Moskau war Putins 74. Geburtstag, zu dem der Kreml den Altkanzler als „alten Freund“ eingeladen hatte. Besonders brisant: Das Treffen fand mitten im andauernden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine statt.
Klare Worte aus Berlin
Die Bundesregierung reagierte ungewöhnlich scharf. Regierungssprecher Steffen Meyer erklärte im Namen von Kanzler Friedrich Merz, dieser sei über das Treffen zutiefst empört. Aus Sicht des Kanzleramts trägt Putin allein die Verantwortung für den Krieg und das tägliche Leid in der Ukraine. Vor diesem Hintergrund werde Schröders Reise als moralisch völlig verfehlt bewertet.
Auch organisatorisch lief der Besuch offenbar komplett an der Bundesregierung vorbei. Nach Angaben des Auswärtigen Amts und des Bundesinnenministeriums waren beide Häuser vorab nicht informiert. Zudem habe die deutsche Botschaft in Moskau keinerlei Unterstützung für die Reise geleistet.
Kritik aus fast allen Parteien
Der Gegenwind kommt quer durch das politische Spektrum. Politikerinnen und Politiker aus CDU, Grünen, FDP, Linken und SPD verurteilten den Besuch teils in drastischen Worten. Dabei fiel nicht nur der Vorwurf der Schande, sondern auch der des Verrats an Europa und eines schweren Schadens für Friedensbemühungen.
- Franziska Hoppermann kritisierte den Besuch mit Blick auf die gleichzeitigen Angriffe auf die Ukraine.
- Katrin Göring-Eckardt und Marie-Agnes Strack-Zimmermann nannten die Reise eine Schande.
- Lars Klingbeil sprach von einem völlig inakzeptablen Signal.
- Heidi Reichinnek warf Schröder politische und moralische Rückgratlosigkeit vor.
Besonders heikel ist die Debatte auch, weil allein in den vergangenen zwei Tagen fast 80 Menschen durch russische Angriffe ums Leben gekommen sein sollen. Genau in dieser Lage mit Putin Geburtstag zu feiern, stößt deshalb in Berlin auf fast geschlossene Ablehnung. Aus Schröders eigener Partei heißt es inzwischen offen, der Altkanzler habe sich weit von sozialdemokratischen Grundwerten entfernt.
Quelle: Tagesschau