Sands rügt deutsches Schweigen
Der Jurist und Schriftsteller Philippe Sands hat in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. In seiner Rede kritisierte er Deutschlands Schweigen zu Israels Vorgehen in Gaza und pochte auf universelles Völkerrecht.

Foto: Wikimedia Commons / Harald Krichel, CC BY-SA 4.0
Philippe Sands hat bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in Frankfurt deutliche Worte gefunden. In der Paulskirche nutzte der Jurist und Autor seine Dankesrede für einen Appell gegen das Wegsehen: Verstöße gegen das Völkerrecht dürften nicht je nach Absender unterschiedlich bewertet werden. Gerade Deutschland müsse hier klarer sprechen.
Besonders scharf fiel seine Kritik am Umgang mit dem Krieg in Nahost aus. Sands sagte, dass Deutschland viele Verbrechen der Vergangenheit benannt habe, beim Blick auf Israel, Gaza und das Westjordanland aber auffällig still bleibe. Kritik an Israels Handlungen sei aus seiner Sicht weder antisemitisch noch grundsätzlich gegen Israel gerichtet. Er verwies darauf, dass nach dem 7. Oktober sowohl auf israelischem als auch auf palästinensischem Gebiet Völkerstraftaten begangen worden seien.
Appell in der Paulskirche
Für Sands gehört es zu einer glaubwürdigen deutschen Staatsräson, dieses Schweigen zu brechen – auch dann, wenn es um befreundete Staaten geht. In der Paulskirche bekam dieser Teil der Rede nicht von allen Beifall; auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier applaudierte dabei nicht.
Seine Haltung begründete Sands auch mit der eigenen Biografie. Der 1960 in London geborene Autor wuchs in einer jüdischen Familie auf, in der viele Angehörige dem Holocaust zum Opfer gefallen waren. Das lange Schweigen über diese Erfahrungen habe ihn geprägt. Später suchte er in Lemberg nach den Wurzeln seiner Familie und stieß dabei auch auf die Lebensgeschichten von Juristen, die die Begriffe „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und „Genozid“ nach 1945 entscheidend mitprägten.
Recht, Literatur und Musik
Sands sieht seine Arbeit als Menschenrechtsanwalt in Den Haag und als Schriftsteller als Teil desselben Auftrags: Geschichten erzählen, Macht hinterfragen und Doppelmoral offenlegen. Wer Völkerstraftaten benenne, dürfe nicht mundtot gemacht oder ausgegrenzt werden. Explizit nannte er dabei auch Kulturschaffende.
- Ort der Verleihung: Frankfurter Paulskirche
- Preisträger: Philippe Sands
- Musikwünsche zur Zeremonie: Johann Sebastian Bach und Leonard Cohen
Auch musikalisch setzte die Preisverleihung diesen Ton fort. Gewünscht hatte sich Sands unter anderem Bachs „Erbarme dich, mein Gott“ aus der Matthäuspassion sowie Leonard Cohens „Anthem“ – Stücke, die für ihn mit Reue, Gnade und Gerechtigkeit verbunden sind.
Quelle: Tagesschau