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Politik2. November 2026, 07:01 Uhr · von Redaktion

Russlands Ammoniak-Lücke

Trotz Sanktionen importiert die EU weiter russisches Ammoniak. Recherchen zeigen: Über ein Sonderkontingent gelangen bis zu 700.000 Tonnen pro Jahr legal nach Europa, unter anderem über den Hafen von Antwerpen.

Russlands Ammoniak-Lücke

Foto: Pavel Kazachkov / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Trotz der Sanktionen gegen Russland fließt weiter ein wichtiger Rohstoff in die EU: russisches Ammoniak. Nach Recherchen des SWR ist das durch ein EU-Sonderkontingent von 700.000 Tonnen pro Jahr möglich. Besonders brisant: Die beteiligten Unternehmen sollen Verbindungen zu kremlnahen Oligarchen und zur russischen Sprengstoffindustrie haben.

Im Fokus steht das Tankschiff „Eco Sorcerer“, das laut den Recherchen Anfang Oktober mit mehr als 20.000 Tonnen russischem Ammoniak im Chemiehafen von Antwerpen anlegte. Das Schiff soll die Ladung zuvor im russischen Hafen Ust Luga an einem Terminal der Firma EuroChem übernommen haben. Ausgewertete Satellitendaten deuten demnach darauf hin, dass solche Transporte nicht nur vereinzelt stattfinden, sondern regelmäßig laufen.

Milliardengeschäft trotz Sanktionen

Ammoniak wird weltweit vor allem für die Herstellung von Düngemitteln genutzt und auf Basis von Erdgas produziert. Gerade deshalb ist der Stoff für Russland wirtschaftlich interessant: Während direkte Gasexporte zunehmend unter Druck geraten, kann Moskau über die Ammoniak-Produktion weiter Einnahmen erzielen. Grundlage dafür ist laut SWR auch ein Strategiepapier des russischen Energieministeriums aus dem Jahr 2014, das einen starken Ausbau der Produktion bis 2030 vorsieht.

  • Ammoniak ist ein zentraler Rohstoff für Dünger
  • Russland hat Produktion, Häfen und Transportwege ausgebaut
  • Die EU erlaubt weiterhin Importe über ein Sonderkontingent

Kritik aus dem EU-Parlament

Eigentlich wollte das EU-Parlament diesen Handel laut einem Antrag aus dem Jahr 2025 stoppen. Am Ende blieb jedoch das Sonderkontingent bestehen. Die luxemburgische EU-Abgeordnete Isabel Wiseler-Lima sprach gegenüber dem SWR von schmerzhaften Kompromissen und machte deutlich, dass aus ihrer Sicht kein Geld mehr nach Russland fließen sollte.

Eine zentrale Rolle spielt nach den Recherchen die Firma EuroChem. Der Konzern zählt zu den weltweit großen Produzenten von Rohstoffen für die Düngemittelindustrie und ist mit Tochterfirmen auch in Antwerpen und Deutschland vertreten. Laut SWR laufen die EU-Importe ausgerechnet über dieses Unternehmen weiter – trotz der politischen Linie, Russlands Einnahmen aus dem Kriegskontext möglichst einzuschränken.

Quelle: Tagesschau