Russisch raus aus Lettlands Klassen
Lettland hat Russisch als Fremdsprache an Schulen gestrichen. Stattdessen lernen inzwischen rund 57.000 Kinder Deutsch, das damit zu den großen Gewinnern der Reform zählt.

Foto: Wikimedia Commons / Saeima, CC BY-SA 2.0
In Lettland hat mit Beginn des Schuljahres ein deutlicher Kurswechsel im Unterricht begonnen: Russisch darf an Schulen nicht mehr als Fremdsprache unterrichtet werden. Das Land will sich sprachlich klarer nach Europa ausrichten und zugleich weiter Abstand zu Russland schaffen. Besonders stark profitiert davon nach Angaben des Bildungsministeriums Deutsch.
Deutsch gewinnt deutlich
Wie sichtbar der Wandel ist, zeigt sich etwa an einer Schule in Adazi bei Riga. Dort lernen Fünftklässler erst seit wenigen Wochen Deutsch als zweite Fremdsprache. Landesweit besuchen inzwischen rund 57.000 Kinder Deutschunterricht. Außerdem gibt es an den Schulen knapp 600 Lehrkräfte für das Fach - etwa doppelt so viele wie noch vor einigen Jahren.
Neben Deutsch stehen auch andere europäische Sprachen wie Französisch oder Spanisch zur Wahl. Doch gerade Deutsch hat zuletzt besonders stark zugelegt. Eine Lehrerin aus Adazi, die selbst einige Jahre in Deutschland gelebt hat, sieht dafür auch praktische Gründe: Deutschland ist ein wichtiger Handelspartner, viele deutsche Unternehmen sind in Lettland aktiv, und in vielen Familien gibt es persönliche Verbindungen dorthin.
Teil eines größeren politischen Kurses
Der Schritt ist eng mit der Geschichte des Landes verbunden. Lettland gehörte bis 1991 zur Sowjetunion, Russisch prägte damals viele Bereiche des öffentlichen Lebens. Die stellvertretende Bildungsministerin Ieva Silina macht deutlich, dass Russisch aus Sicht der Regierung nie eine freiwillige Entscheidung gewesen sei. Nun solle sich im Bildungssystem zeigen, dass Lettland zu Europa gehört.
- Seit diesem Schuljahr kein Russisch mehr als Fremdsprache
- Deutsch zählt zu den größten Gewinnern der Reform
- Hintergrund ist die stärkere Abgrenzung von Russland
Ganz verschwunden ist Russisch im Alltag des Landes allerdings nicht: Ungefähr ein Drittel der Menschen in Lettland spricht die Sprache zuhause. Trotzdem verfolgt die Regierung seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 einen harten Distanzierungskurs. Die Angst vor einer Bedrohung des Baltikums spielt dabei weiter eine zentrale Rolle.
Quelle: Tagesschau