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Musik & Film13. Oktober 2026, 13:02 Uhr · von Redaktion

Nöstlinger wird groß geehrt

Zum 90. Geburtstag von Christine Nöstlinger gibt es in Österreich mehrere Würdigungen. Im Mittelpunkt stehen die Kinodoku „Sowieso und überhaupt“, eine Ausstellung, ein Theaterabend und ein neuer Gedichtband.

Nöstlinger wird groß geehrt

Foto: Anton-kurt / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Christine Nöstlinger hätte am 13. Oktober 2026 ihren 90. Geburtstag gefeiert – und rund um dieses Datum wird die 2018 verstorbene Autorin an vielen Orten gewürdigt. Die Wienerin gilt als wichtigste österreichische Kinderbuchautorin und als eine der meistgelesenen weltweit. Ihr Werk war geprägt von Widerstand gegen blinde Autorität und von einem genauen Blick darauf, wie Kinder die Welt erleben.

Berühmt wurde Nöstlinger auch deshalb, weil sie jungen Leserinnen und Lesern nichts beschönigen wollte. Kinder, so ihre Überzeugung, müssten die Realität kennenlernen und nicht mit weichgespülten Geschichten abgespeist werden. Genau diese Haltung zieht sich durch ihre Bücher: In „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ erscheint etwa eine lächerlich-herrische Figur in der Küche einer Familie – und während die Erwachsenen kuschen, stellen sich die Kinder quer. Auch das Wesen „Dschi Dsche-i Wischer Dschunior“, bekannt aus dem Ö3-Wecker, greift ein sehr kindliches Alltagsthema auf: das frühe Aufstehen.

Kinodoku im Zentrum der Würdigungen

Besonders im Fokus steht die Dokumentation „Sowieso und überhaupt“ von Regisseurin Alexandra Schneider. Der Film erzählt Nöstlingers Leben entlang ihrer Biografie und arbeitet mit Archivmaterial, Interviews sowie Beiträgen von Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern. Laut ORF machen vor allem die alten Interviewausschnitte den Reiz aus, weil Nöstlinger darin ihre Ansichten trocken, direkt und ohne Umwege formuliert.

  • Kinodoku: „Sowieso und überhaupt“
  • Foyerausstellung im Literaturmuseum: „Fliegende Katzen im Gemeindebau“
  • Rabenhof-Theater: Würdigung mit Gerald Votava und Stefanie Sargnagel
  • Neues Buch im Residenz Verlag: „I ken mi ned wiaglich aus auf da Wöd“

Geprägt von Kindheit und Herkunft

Nöstlinger wurde 1936 geboren und wuchs während des Kriegs auf. Sie stammte aus einem nach eigenen Angaben strikt antifaschistischen Elternhaus; der Vater war Uhrmacher, die Mutter Kindergärtnerin. Früh lernte sie, Mehrheitsmeinungen zu misstrauen und Ungerechtigkeiten wahrzunehmen. Ebenso wichtig war ihre Herkunft aus einfachen Verhältnissen: Die Familie lebte in der Wiener Vorstadt in einer Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnung in der Geblergasse. Diese Erfahrungen von Enge, Alltag und sozialem Druck fanden später spürbar Eingang in ihr Schreiben.

Zum Jubiläum erscheint nun auch ein Band mit sämtlichen Dialektgedichten. Unter dem Titel „I ken mi ned wiaglich aus auf da Wöd“ versammelt das Buch Texte über Rangordnungen unter Kindern, über Stottern, Schielen, kleine Freuden und harte Zumutungen des Alltags – geschrieben in einem Wienerisch, das unverkennbar Nöstlinger ist.

Quelle: ORF