Neuer Druck auf junge Joblose
In einer besonders armen Stadt in Rheinland-Pfalz startet ein Pilotprojekt für junge Arbeitslose. Es setzt auf gemeinnützige Arbeit, Betreuung und notfalls auch Leistungskürzungen.

In Pirmasens soll ein neues Pilotprojekt jungen Arbeitslosen aus einer festgefahrenen Situation helfen. Die Stadt im Westen von Rheinland-Pfalz kämpft seit Jahren mit hoher Arbeitslosigkeit und gilt als eine der ärmsten Kommunen Deutschlands. Während bundesweit die Quote im Juni bei 6,2 Prozent lag, kam Pirmasens auf 12,1 Prozent. Viele Kinder und Jugendliche wachsen dort in Familien auf, in denen Erwerbsarbeit seit langer Zeit keine Rolle mehr spielt.
Genau hier setzt das Projekt „Arbeit. Pflichten. Perspektiven“ an, das Stadt, Jobcenter und Arbeitsagentur gemeinsam auf den Weg bringen. Im Fokus stehen junge Menschen unter 25 Jahren, die gesund sind, Grundsicherung beziehen und weder arbeiten noch zur Schule gehen, ein Praktikum machen oder eine Ausbildung beginnen wollen. Nach Angaben der Stadt gehören derzeit 60 Personen zu dieser Gruppe.
Gemeinnützige Arbeit mit Begleitung
Ab dem 1. September sollen die Betroffenen unter anderem Grünflächen pflegen, im Wald mitarbeiten oder in einem Sozialkaufhaus eingesetzt werden. Vorgesehen sind 20 Stunden pro Woche für mindestens ein halbes Jahr. Begleitet wird das Ganze von einem Sozialarbeiter. Wer teilnimmt, erhält zusätzlich zur Grundsicherung zwei Euro pro Stunde. Die Verantwortlichen hoffen, dass die jungen Menschen Arbeit so nicht nur als Pflicht erleben, sondern als sinnvolle Tätigkeit, die neue Perspektiven eröffnet.
Ganz ohne Druck soll das Modell aber nicht laufen. Wer nicht erscheint, soll notfalls zuhause vom Sozialarbeiter abgeholt werden. Bleibt die Mitarbeit trotzdem aus, können Leistungen gekürzt werden. Die Arbeitsagentur betont allerdings, dass solche Sanktionen nur als letzter Schritt gedacht seien.
Die Ausgangslage in Pirmasens ist seit Jahrzehnten schwierig. Die Stadt war einst ein Zentrum der deutschen Schuhindustrie, verlor aber mit dem Niedergang der Branche viele Arbeitsplätze. Bis heute wirkt das nach. Parallel betreut das Netzwerk „Pakt für Pirmasens“ aktuell 1.500 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren und versucht, mit Alltagsbegleitung, Hausaufgabenhilfe und festen Strukturen gegenzusteuern. Ein ähnliches Projekt gab es bereits im thüringischen Landkreis Nordhausen, wo nach offiziellen Angaben 68 junge Menschen teilnahmen.