JETZT LIVE
Sport6. Oktober 2026, 17:00 Uhr · von Redaktion

Man-City-Affäre eskaliert

Der Fall Manchester City entwickelt sich in England zum Politikum. Dem Club werden 114 schwere Verstöße vorgeworfen, während aus Abu Dhabi laut Berichten wirtschaftlicher Druck auf Großbritannien droht.

Man-City-Affäre eskaliert

Foto: tagblatt

Der Fall Manchester City ist längst mehr als ein Fußballskandal. In England zeigt sich gerade, wie explosiv die Mischung aus Spitzensport, Milliardeninvestitionen und internationaler Politik werden kann. Der Serienmeister aus Manchester steht wegen mutmaßlich massiver Verstöße gegen die Finanzregeln der Premier League unter Druck – und die Affäre reicht inzwischen bis in die Beziehungen zwischen Großbritannien und den Vereinigten Arabischen Emiraten hinein.

Im Kern geht es um die Jahre nach der Übernahme durch Scheich Mansour und die Abu Dhabi United Group im Jahr 2008. Seitdem sammelte der Club Titel am laufenden Band. Allein in den vergangenen zehn Jahren gewann Manchester City sechsmal die Meisterschaft, dazu drei Pokalsiege, neun Liga-Cups und einmal die Champions League.

114 Vorwürfe gegen den Meister

Eine von der Premier League beauftragte unabhängige Untersuchung kommt laut Quelle zu einem drastischen Befund: In einem Zeitraum von neun Jahren sollen zahlreiche Geschäfte nur dazu gedient haben, die wirtschaftliche Lage des Clubs besser aussehen zu lassen. Ziel sei gewesen, die teuren Kaderkosten mit den Regeln des Financial Fairplay vereinbar erscheinen zu lassen. Nach Angaben der Liga soll City seine Einnahmen um mehr als 900 Millionen Pfund künstlich aufgebläht haben.

  • 115 Fälle wurden untersucht
  • In 114 Fällen sollen verbotene Praktiken gefunden worden sein
  • Der Club weist die Vorwürfe zurück und kündigt Berufung an

Brisant wird der Fall aber vor allem auf politischer Ebene. Laut Berichten, auf die sich der britische "Telegraph" und Bloomberg beziehen, könnte ein Schuldspruch die Investitionsbereitschaft aus Abu Dhabi im Vereinigten Königreich belasten. Die britische Regierung hat entsprechende Meldungen demnach nicht zurückgewiesen. Im Raum steht sogar ein möglicher Einfluss auf die bilateralen Beziehungen beider Länder.

Druck auf London wächst

Das hat mit der besonderen Rolle des Clubbesitzers zu tun: Scheich Mansour ist der Bruder des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate. Das Emirat hat seit 2021 zusammen mit Großbritannien rund 30 Milliarden Pfund in Zukunftsbranchen investiert – laut dem Botschafter in London deutlich mehr als ursprünglich geplant. Damit bekommt ein Verfahren gegen einen Fußballclub plötzlich außenpolitisches Gewicht. Der Streit um Manchester City ist damit nicht nur ein Sportfall, sondern ein Test dafür, wie unabhängig Regeln noch durchgesetzt werden, wenn sehr viel Geld und geopolitische Interessen im Spiel sind.

Quelle: tagblatt