KI facht Vertrauenskrise an
Bei den 33. Österreichischen Medientagen in Wien steht die wachsende Gefahr durch KI-Desinformation im Fokus. Fachleute warnen vor mehr Deepfakes, gefluteten Plattformen und einem Verlust gemeinsamer Wirklichkeit.
Die rasante Entwicklung von künstlicher Intelligenz verschärft nach Einschätzung von Fachleuten die Probleme rund um Desinformation im Netz deutlich. Bots, täuschend echte Bilder und frei erfundene Erfahrungsberichte lassen sich immer einfacher erzeugen und massenhaft verbreiten. Genau diese neue Lage ist auch Thema bei den 33. Österreichischen Medientagen, die am Mittwoch in Wien starten.
Wenn selbst echte Inhalte angezweifelt werden
Digitalexpertin Ingrid Brodnig sieht darin nicht nur die Gefahr durch falsche Inhalte selbst. Hinzu komme, dass das Vertrauen in das, was Menschen online sehen, spürbar abnehme. Die Folge: Nutzerinnen und Nutzer zweifeln teils sogar echte Informationen oder Beiträge realer Personen an. KI habe diese Entwicklung noch einmal beschleunigt und damit eine zusätzliche Krise des Vertrauens ausgelöst.
Auch der Soziologe und Netzwerkforscher Harald Katzmair warnt vor einem bereits seit Jahren belasteten Informationsraum. Neu sei vor allem die enorme Skalierung: Mit KI-Agenten könne dieser Raum so einfach wie nie zuvor geflutet werden. In einer solchen Umgebung werde es für die Gesellschaft immer schwieriger, sich auf eine gemeinsame Wirklichkeit zu verständigen. Laut Katzmair leidet darunter auch das Vertrauen in Demokratie und Institutionen.
Medien unter Druck, EU soll schneller handeln
Die Medientage bringen seit 1994 führende Köpfe aus Medien und Kommunikation mit internationalen Fachleuten zusammen. Heuer stehen sie unter schwierigen Vorzeichen: Der Druck auf die Branche wächst, internationale Plattformen gewinnen weiter an Einfluss, vor allem am Werbemarkt. Gleichzeitig läuft die Debatte über die Zukunft des ORF, der ebenfalls sparen muss.
- Ort: Wien
- Anlass: 33. Österreichische Medientage
- Thema: Schutz des öffentlichen Diskurses vor digitaler Desinformation
Brodnig und Katzmair diskutieren dort über Wege zum Schutz der offenen Gesellschaft. Brodnig drängt dabei auf schnelleres Vorgehen bei der Kontrolle großer Plattformen. Sie verweist auf bestehende EU-Regeln wie den Digital Services Act, bei deren Umsetzung aus ihrer Sicht mehr Tempo nötig ist.
Quelle: ORF