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Musik & Film7. November 2026, 09:01 Uhr · von Redaktion

Kehlmann macht Kolonialismus bitterkomisch

Daniel Kehlmann veröffentlicht mit „Afrika“ einen neuen Roman über die Berliner Kongokonferenz 1884/85. Im Mittelpunkt steht nicht das Geschehen in Afrika, sondern die absurde Selbstbezogenheit der Mächtigen.

Kehlmann macht Kolonialismus bitterkomisch

Foto: Wikimedia Commons / Amrei-Marie, CC BY-SA 4.0

Daniel Kehlmann legt mit „Afrika“ einen neuen Roman vor, der sich einer der folgenschwersten politischen Runden des 19. Jahrhunderts widmet: der Berliner Kongokonferenz 1884/85. Der Autor nennt das Buch laut dpa seinen bisher lustigsten Roman – obwohl der historische Hintergrund alles andere als leicht ist.

Im Zentrum steht bei Kehlmann nicht die koloniale Gewalt selbst, sondern die groteske Welt der Entscheidungsträger. Erzählt wird von Männern an den Schalthebeln der Macht, die mit großer Distanz auf den afrikanischen Kontinent blicken und vor allem um sich selbst kreisen. Besonders prominent: ein unbeholfener österreichischer Legationsrat. Der Autor beschreibt die Konferenz als derart absurd, dass sie sich fast nur komödiantisch erzählen lasse.

Historie als Bühne der Eitelkeit

Die Berliner Konferenz legte die Regeln fest, nach denen die Aufteilung und Kolonialisierung Afrikas organisiert werden sollte. Als großer Gewinner ging im Verlauf der Verhandlungen der belgische König Leopold II. hervor, dessen private Kongo-Gesellschaft von mehreren Großmächten anerkannt wurde. Kehlmann erinnert im Nachwort an die verheerenden Folgen dieses Systems: Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner starben in der privaten Kolonie unter den Bedingungen der Ausbeutung.

  • Neuer Roman: „Afrika“
  • Thema: Berliner Kongokonferenz 1884/85
  • Fokus: die Banalität und Ahnungslosigkeit der Mächtigen

Erfolg mit historischen Stoffen

Kehlmann gilt seit „Die Vermessung der Welt“ als einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Der 1975 in München geborene und in Wien aufgewachsene Schriftsteller landete mit dem Roman einen Sensationserfolg: Im deutschsprachigen Raum wurden rund 2,3 Millionen Exemplare verkauft. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt.

Neben seiner literarischen Arbeit tritt Kehlmann seit Jahren auch als öffentlicher Intellektueller auf. Zuletzt erschien mit „Lichtspiel“ ein Roman über den Regisseur Georg Wilhelm Pabst. Mit „Afrika“ kehrt er nun erneut zu einem historischen Stoff zurück – und schaut dabei weniger auf große Helden als auf blinde Flecken, Selbsttäuschung und politische Absurditäten.

Quelle: ORF