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Sport3. Oktober 2026, 17:00 Uhr · von Redaktion

Jana Rau über Wende-Wunden

Olympiasiegerin Jana Rau gewann Gold für DDR und BRD. Doch der Umbruch nach 1989 riss die frühere Weltklasse-Ruderin in ein tiefes Loch – heute lebt sie in Bremen, die Wunden seien aber geblieben.

Jana Rau über Wende-Wunden

Foto: weserkurier

Jana Rau gehört zu den wenigen deutschen Sportlerinnen, die auf beiden Seiten der Einheit ganz oben standen: Sie holte Olympia-Gold für die DDR und später auch für die BRD. Doch zwischen diesen Erfolgen liegt für die ehemalige Ruderin eine Zeit, die sie bis heute beschäftigt. Der politische Umbruch Anfang der 1990er-Jahre habe tiefe Spuren hinterlassen, sagt die heute in Bremen lebende 58-Jährige.

Nach außen liest sich ihre Geschichte wie eine klassische Erfolgsstory. Seit fast 30 Jahren lebt Rau in Bremen, ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und betreibt seit fünf Jahren ein eigenes EMS-Studio in der Überseestadt. Aber hinter diesem stabilen Leben steht eine Biografie, die von einem abrupten Bruch geprägt ist. Kurz nach dem Mauerfall gehörte sie noch zur Weltspitze, wenig später fühlte sie sich nach eigenen Worten wie „ein Nichts“.

Vom DDR-Sportinternat zu Olympia-Gold

Schon als Jugendliche war ihr Alltag komplett auf Leistungssport ausgerichtet. Seit der achten Klasse bestimmte Rudern fast alles: Schule, Training, Essen, Schlafen, Massage – immer im festen Takt. 1988 folgte in Seoul der große Triumph mit Olympia-Gold im Doppelvierer. Für ihren Sieg erhielt sie 15.000 Mark Ost und zusätzlich 3000 D-Mark in Forumschecks. Davon kaufte sie sich einen Lada – in der DDR ein besonderer Luxus.

  • Olympiasieg 1988 in Seoul
  • mehrfache Weltmeisterin
  • Goldmedaillen mit DDR und BRD

Erfolg oben, Absturz unten

Mit dem Ende der DDR geriet auch ihr gesamtes Lebensmodell ins Wanken. Die berufliche Perspektive im Sport, die sie als künftige medizinisch-technische Assistentin sah, brach weg. Gleichzeitig wurde auch der Leistungssport beim SC Dynamo Berlin erschüttert. Für Rau war das mehr als nur ein Vereinswechsel oder ein neuer Alltag – es war der Verlust des Systems, in dem sie aufgewachsen war und funktioniert hatte.

Gerade deshalb blickt sie differenziert auf die deutsche Einheit. Sie betont, wie dankbar sie für die Chancen im Westen sei. Zugleich macht sie klar, dass der schnelle Systemwechsel Verletzungen hinterlassen habe. Oder, wie sie es selbst beschreibt: „Man muss einfach akzeptieren, dass ich Wunden habe.“

Quelle: weserkurier