JETZT LIVE
Politik4. Oktober 2026, 17:01 Uhr · von Redaktion

Jagd-Influencer unter Druck

In Deutschland steigt die Zahl der Jäger auf 468.000. Doch ausgerechnet Influencer sorgen laut Kritikern mit riskanten Videos und fragwürdiger Jagdpraxis in sozialen Medien für wachsenden Ärger.

Jagd-Influencer unter Druck

Die Jagd wird in Deutschland für immer mehr Menschen interessant – doch in sozialen Medien gerät das Thema zunehmend in ein schiefes Licht. Influencer, die mit spektakulären Clips Reichweite erzeugen wollen, stehen in der Kritik, weil dabei Jagdethik und ein verantwortungsvoller Umgang mit Waffen offenbar nicht immer an erster Stelle stehen. Einige Jagdausstatter gehen inzwischen auf Distanz.

Mehr Jäger, mehr Geschäft

Die Branche wächst deutlich: Laut Deutschem Jagdverband stieg die Zahl der Jägerinnen und Jäger von knapp 329.000 im Jahr 1995 auf 468.000 im Jahr 2025. Mit dem Boom wächst auch der Markt für Ausrüstung. Schon die Grundausstattung mit Waffe, Optik, Waffenschrank, Fernglas, Messer, Rucksack sowie Kleidung und Schuhen kostet mehrere tausend Euro.

  • Erstausstattung: etwa 3.000 bis 10.000 Euro
  • Durchschnittliche Jahresausgaben laut Frankonia: mehr als 4.300 Euro
  • Werbung läuft heute oft über gesponserte Inhalte im Netz

Wie sehr sich die Jagd verändert hat, zeigt auch der Blick auf Einsteiger wie Nicolas Rath. Der 38-Jährige aus Hamburg hat seinen Jagdschein vor zwei Jahren gemacht und beschreibt die Jagd als Frage der Haltung. Er setzt auf Erfahrung aus Gesellschaftsjagden und darauf, von älteren Jägern zu lernen – denn vieles beginne erst nach der Prüfung wirklich.

Kritik an fragwürdigen Videos

Problematisch wird es dort, wo Jagd in sozialen Medien zur Action-Show wird. In der Vergangenheit kursierten Clips, in denen Tiere laut Kritik nicht tierschutzgerecht getötet wurden und Regeln waidgerechter Jagd missachtet worden sein sollen. NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger, selbst Jäger, sprach in diesem Zusammenhang von „Schießbudenschießen“ auf Wildtiere und warnte vor gefährlichen Distanzschüssen.

Grundsätzlich bewertet Krüger den Zuwachs bei den Jagdscheininhabern positiv. Er verweist auf die Rolle der Jagd beim Aufbau klimaresilienter Mischwälder. Hintergrund ist der massive Waldverlust: Zwischen 2017 und 2024 gingen in Deutschland laut Daten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt mehr als 900.000 Hektar Wald verloren – vor allem durch Stürme und Borkenkäfer in Fichten-Monokulturen. Um Aufforstung zu ermöglichen, brauche es aus Sicht des NABU ein wirksames Wildtiermanagement.

Quelle: Tagesschau