Israel vor Richtungswahl
In Israel sind 7,3 Millionen Menschen zur ersten Parlamentswahl seit dem Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023 aufgerufen. Das Rennen zwischen dem Lager von Benjamin Netanjahu und Oppositionsführer Gadi Eisenkot gilt als extrem knapp.
7,3 Millionen Israelis wählen am Dienstag ein neues Parlament – und selten war eine Knesset-Wahl so aufgeladen wie diesmal. Es ist der erste Urnengang seit dem beispiellosen Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023. Entsprechend groß ist die Spannung im Land und weit darüber hinaus: Der Wahlausgang könnte beeinflussen, wie es mit dem Krieg, mit Gaza und den besetzten Gebieten sowie mit dem eingefrorenen Konflikt mit dem Iran weitergeht.
Netanjahu gegen Eisenkot
Im Zentrum steht das Duell zwischen Regierungschef Benjamin Netanjahu und der Opposition um Ex-Armeechef Gadi Eisenkot. Eisenkot will die Wahl zu einer Abrechnung mit der Rechtsregierung machen und wirft ihr schweres Staatsversagen rund um den 7. Oktober vor. Netanjahus rechtes bis rechtsextremes Lager hält dagegen und warnt im Fall eines Oppositionssiegs vor einem Palästinenserstaat.
Beide Seiten haben den Wahlkampf als Schicksalsentscheidung inszeniert. Netanjahu setzte auf das Thema Sicherheit und mobilisierte mit der Sorge vor politischen Zugeständnissen an die Palästinenser. Eisenkot punktet laut Bericht mit hohen Sympathiewerten und einem Image als bodenständiger Kandidat. Er verlor im Gaza-Krieg innerhalb von zwei Tagen seinen Sohn und seinen Neffen und wirbt mit dem Versprechen, die Hamas binnen 18 Monaten zu entmachten und einen innerisraelischen Aussöhnungsprozess zu beginnen.
Umfragen zeigen Patt
Nach den jüngsten Erhebungen läuft alles auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hinaus. Sowohl das Lager von Netanjahu als auch jenes von Eisenkot kommen demnach auf knapp über 50 der 120 Knesset-Sitze. Damit sind mehrere Regierungsvarianten denkbar – ein klarer Sieger zeichnet sich aber nicht ab.
- Erste Wahl seit dem 7. Oktober 2023
- Mehr als 1.000 Tote auf israelischer Seite in mehreren Kriegen
- Mehr als 70.000 Tote im Gazastreifen laut Bericht
Die Abstimmung ist damit weit mehr als eine normale Parlamentswahl. Sie wird auch als Test gesehen, ob Israel politisch einen neuen Kurs einschlägt – nach außen im Umgang mit den Palästinensern und den regionalen Konflikten, nach innen in einer tief gespaltenen Gesellschaft. Selbst viele im Ausland lebende Israelis sollen eigens zur Stimmabgabe zurückgekehrt sein.
Quelle: ORF