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Politik14. Oktober 2026, 19:02 Uhr · von Redaktion

İmamoğlu bricht vor Gericht sein Schweigen

Der abgesetzte Istanbuler Ex-Bürgermeister Ekrem İmamoğlu hat nach mehr als anderthalb Jahren Untersuchungshaft erstmals vor Gericht ausgesagt. Parallel gingen Behörden gegen den kritischen Sender Halk TV vor.

İmamoğlu bricht vor Gericht sein Schweigen

Foto: Fawaz.tairou / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Im großen Verfahren gegen die Istanbuler Stadtverwaltung hat Ekrem İmamoğlu zum ersten Mal selbst vor Gericht gesprochen. Der frühere Bürgermeister von Istanbul sitzt seit mehr als anderthalb Jahren in Untersuchungshaft. Seit März läuft der Mammutprozess gegen rund 400 Angeklagte aus dem Umfeld der Stadtverwaltung.

Vor dem Gerichtsgebäude meldete sich auch seine Frau Dilek İmamoğlu zu Wort. Sie sagte, die Aussage ihres Mannes hätte aus ihrer Sicht schon viel früher aufgenommen werden müssen. Nun hoffe die Familie darauf, dass er in den kommenden Tagen unter fairen Bedingungen gehört werde. Der Prozess ist auf mehrere Tage angelegt.

Schwere Vorwürfe, politische Brisanz

In der fast 4.000 Seiten starken Anklageschrift wird İmamoğlu als Anführer einer kriminellen Vereinigung beschrieben. Im Raum stehen Vorwürfe wie Bestechung, Untreue, Geldwäsche und Manipulation bei Ausschreibungen. Die Ermittler sprechen von einem angeblichen Schaden von drei Milliarden Euro. Für İmamoğlu und die Opposition ist jedoch klar: Sie halten das Verfahren für politisch motiviert.

Nach Informationen der ARD soll İmamoğlu bei seiner ersten Aussage nicht im Detail auf die einzelnen Anschuldigungen eingegangen sein. Stattdessen habe er die Regierung der AKP und Präsident Recep Tayyip Erdoğan scharf attackiert. Demnach warf er der türkischen Justiz mangelnde Unabhängigkeit vor und warnte vor einer autoritären Entwicklung des Landes.

Razzia bei Halk TV am selben Tag

Parallel zum Prozesstag verschärfte sich der Druck auf kritische Medien. Die Behörden schlossen am frühen Morgen den oppositionellen Sender Halk TV, der zuletzt als meistgesehener Fernsehsender des Landes galt. Gerade dort wäre İmamoğlus Aussage nach Einschätzung vieler Beobachter ein dominierendes Thema gewesen.

  • Prozessbeginn: März 2026
  • Untersuchungshaft: seit mehr als 1,5 Jahren
  • Angeklagte: rund 400 Personen
  • Vorwürfe gegen Halk TV: Geldwäsche, Bestechung, Ausschreibungsbetrug

Der Senderchef wies die Anschuldigungen als unbegründet zurück. Auch Oppositionsführer Özgür Özel bewertete das Vorgehen als Ausdruck der Schwäche der Regierung. Für viele in der Türkei fällt damit eine wichtige Quelle für unabhängige Nachrichten weg.

Quelle: Tagesschau