Huppert wird zur Blutgräfin
Isabelle Huppert spielt in Ulrike Ottingers Film „Die Blutgräfin“ eine Vampirin auf Streifzug durch Wien. Nach der Berlinale wird die opulente Groteske nun auch bei der Viennale gezeigt.

Isabelle Huppert wird zur Vampirin: In „Die Blutgräfin“ verwandelt Regisseurin Ulrike Ottinger die titelgebende Figur in eine schillernde, satirische Kunstgestalt. Nach der Premiere bei der Berlinale ist der Film nun auch im Programm der Viennale zu sehen. Und schnell wird klar: Hier geht es nicht um ein historisches Porträt von Elisabeth Bathory, sondern um ein überdrehtes, opulentes Kinoerlebnis mit starkem Wien-Faktor.
Vampirkongress statt Historienstoff
Die Handlung folgt keiner klassischen Geradlinigkeit, auch wenn es einen erzählerischen Rahmen gibt. Die Blutgräfin taucht aus der Unterwelt auf – in einem roten Boot aus der Seegrotte Hinterbrühl – und landet mitten in einem Wiener Kongress zur Identität der Vampire im digitalen Zeitalter. Von dort an wird gebissen, gejagt und gemordet: Die Vampirin ist auf der Flucht vor Polizei und Vampirologen, jagt aber zugleich selbst einem Buch nach, das für Vampire gefährlich werden könnte.
Wichtig wird dabei auch ihr Neffe, ein Vampir wider Willen und Vegetarier, der das Buch ebenfalls finden will. Das Ensemble hetzt dabei von Schauplatz zu Schauplatz, weniger als stringente Erzählung denn als Folge kunstvoller Szenen. Ottinger setzt auf Bildkraft, Tempo und bizarre Einfälle statt auf klassische Dramaturgie.
Wien spielt die zweite Hauptrolle
Besonders auffällig: Wien ist hier weit mehr als Kulisse. Die Stadt wird regelrecht ausgestellt, mit Orten, die wie Stationen einer filmischen Nummernrevue wirken. Kameramann Martin Gschlacht rückt die Schauplätze dabei besonders markant ins Bild.
- die Seegrotte Hinterbrühl
- die Nationalbibliothek
- die Strudelhofstiege
- der Stephansdom
- das Cafe Havelka
- der Narrenturm und das Semper-Depot
Auch beim Personal zeigt sich der Film verspielt und exzentrisch. Ein Teil der Dialoge stammt von Elfriede Jelinek, was den skurrilen Ton noch verstärkt. Namen wie Inspektor Unglaube, Rudi Bubi Baron von Strudl zur Buchtelau oder Vampirologe Nepomuk Nachbiss machen deutlich, dass Ottinger auf Groteske, Sprachwitz und bewusstes Übermaß setzt. So wirkt „Die Blutgräfin“ vor allem wie eine stilisierte Huldigung an Huppert – und an Wien als schaurig-schönen Schauplatz.
Quelle: ORF