Formel 1 in Ruanda umstritten
Ruanda will ab Anfang der 2030er-Jahre Formel-1-Rennen nahe Kigali ausrichten. Die Rückkehr der Rennserie nach Afrika sorgt zugleich für scharfe Kritik von Menschenrechtlern.

Foto: Emmanuelkwizera / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Ruanda treibt seine Pläne für ein Formel-1-Rennen voran: Ab Anfang der 2030er-Jahre soll die Rennserie auf den afrikanischen Kontinent zurückkehren. Geplant ist eine neue Strecke in Bugesera, unweit des internationalen Flughafens von Kigali. An diesem Flughafen ist Qatar Airways beteiligt, das zugleich als Sponsor der Formel 1 auftritt.
Für viele Fans in Afrika ist die Aussicht auf ein Rennen ein starkes Signal. Die südafrikanische Moderatorin und Content Creatorin Nqobile Khwezi sprach von einem emotionalen Moment, weil das letzte Formel-1-Rennen in Afrika in Kyalami stattfand, noch bevor sie geboren wurde. Auch die Formel 1 selbst betont das Potenzial eines Grand Prix auf dem Kontinent und verweist auf mehr als 100 Millionen Fans in Afrika sowie auf die mögliche gesellschaftliche Wirkung des Sports.
Kagames Sportkurs wächst weiter
Überraschend kommt der Schritt nicht. Präsident Paul Kagame hat Ruandas Engagement im internationalen Sport in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Dazu gehörten Investitionen im europäischen Fußball und in der nordamerikanischen Basketballliga NBA. Zeitweise war Ruanda auch Sponsor des FC Bayern München, die Zusammenarbeit mit der Tourismusmarke „Visit Rwanda“ wurde nach Kritik jedoch beendet.
- Formel-1-Start in Ruanda: Anfang der 2030er-Jahre geplant
- Standort: Bugesera nahe Kigali
- Ruandas Sportoffensive läuft bereits seit Jahren
Kritik wegen Menschenrechtslage
Genau hier beginnt die Debatte. Beobachter werfen Ruanda seit Langem Sportswashing vor. Human Rights Watch forderte die Formel 1 laut DW auf, die Menschenrechtslage vor einer endgültigen Zusage genau zu prüfen. Zentralafrika-Direktor Lewis Mudge warnte, große Sportereignisse könnten genutzt werden, um von Ruandas problematischer Bilanz abzulenken.
Hinzu kommt der Konflikt im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Nach Angaben von Menschenrechtlern ist Ruanda dort maßgeblich an der Unterstützung der M23-Rebellengruppe beteiligt. Zudem würden ruandische Streitkräfte mit Vertreibungen und Todesfällen von Zivilisten in Verbindung gebracht, die gegen humanitäres Völkerrecht verstoßen könnten. Das ruandische Sportministerium sagte der DW zunächst eine Stellungnahme zu, reagierte am Ende aber nicht.
Quelle: DW Deutsch