Festivals in Konzernhand
Wacken, Rock am Ring oder Hurricane: Hinter vielen großen Festivals stehen heute internationale Konzerne. Laut einer Untersuchung sind in der EU mehr als 150 große Events vier Unternehmensgruppen zugeordnet.

Deutschlands große Festivalmarken wirken nach außen oft wie eigenständige Kult-Events. Hinter den Kulissen sammelt sich das Geschäft mit Livemusik aber immer stärker bei wenigen Unternehmen. Das zeigt sich besonders deutlich beim Wacken Open Air: Die Gründer Thomas Jensen und Holger Hübner halten inzwischen nur noch jeweils rund fünf Prozent an der Veranstalterfirma. Nach einem weiteren Anteilsverkauf im Oktober liegen knapp 90 Prozent bei der internationalen Festivalgruppe Superstruct.
Wenige Gruppen, viele bekannte Namen
Wacken ist damit kein Einzelfall. Auch Festivals wie Rock am Ring, Parookaville oder Hurricane sind Teil größerer Konzernstrukturen. Eine Untersuchung der europäischen Livemusikverbände Live DMA und Reset! kommt zu dem Ergebnis, dass in der EU mehr als 150 große Festivals vier Unternehmensgruppen zugeordnet sind. Genannt werden dabei:
- Superstruct
- CTS Eventim
- Live Nation
- AEG
Die musikalischen Profile dieser Events könnten unterschiedlicher kaum sein. Wirtschaftlich laufen jedoch immer mehr Fäden bei denselben Playern zusammen. Dabei unterscheiden sich die Modelle: Mal geht es um Besitzverhältnisse, mal um Beteiligungen, mal um den operativen Betrieb.
Warum das für Konzerne so lukrativ ist
Besonders attraktiv wird das Geschäft, wenn ein Unternehmen an mehreren Stellen gleichzeitig verdient. CTS Eventim ist dafür ein zentrales Beispiel: Der Konzern setzte 2025 erstmals mehr als drei Milliarden Euro um, ist im Festivalgeschäft aktiv, organisiert Tourneen, verkauft Tickets und betreibt bekannte Hallen wie die Berliner Waldbühne oder die Kölner Lanxess-Arena. So kann ein Konzern an einer Band gleich mehrfach verdienen – von der Tour über die Spielstätte bis zum Ticketverkauf und einem Festivalauftritt im eigenen Netzwerk.
Für kleinere Veranstalter erhöht das den Druck, weil sie mit Unternehmen konkurrieren, die deutlich mehr aus einer Hand anbieten können. Gleichzeitig bringt die Größe den Konzernen Vorteile: steigende Künstlergagen, teurere Produktion und höhere Sicherheitskosten machen Festivals riskant. Dazu kommen Wetterextreme und mögliche Schwächen beim Ticketverkauf. Große Gruppen können solche Risiken leichter abfedern und bei Technik, Werbung oder Personal für mehrere Veranstaltungen gemeinsam sparen.
Quelle: Tagesschau