EU-Prüfung stoppt 56 Pestizide
Eine BR-Analyse zeigt: In der EU sind seit 2011 mehr als 50 Pestizid-Wirkstoffe bei der Wiederzulassung gescheitert. Ausgerechnet diese regelmäßigen Kontrollen will die EU-Kommission nun weitgehend abschaffen.

Die regelmäßige EU-Prüfung von Pestiziden hat seit 2011 offenbar deutlich mehr Wirkung gezeigt als oft angenommen. Eine Auswertung von BR Data kommt zu dem Ergebnis, dass 54 Wirkstoffe bei der Wiederzulassung durchgefallen sind, weil sie sich als gefährlicher erwiesen als zunächst gedacht. Bei zwei weiteren Stoffen konnte ein Risiko nicht ausgeschlossen werden.
Viele Mittel fielen erst bei der Neubewertung auf
Untersucht wurden laut BR alle 241 konventionellen Wirkstoffe in der EU-Pestizid-Datenbank, für die seit Juni 2011 eine Wiederzulassung anstand. Hintergrund: In der EU werden Pestizid-Wirkstoffe nach zehn bis 15 Jahren erneut nach aktuellem Stand der Wissenschaft bewertet. Genau dieses Verfahren will die EU-Kommission nach einem Vorschlag aus dem Dezember 2025 für die meisten Mittel beenden. Künftig sollen nur noch wenige bereits als besonders problematisch eingestufte Stoffe regelmäßig überprüft werden.
Wie relevant die Nachprüfung ist, zeigt laut Recherche auch ein prominentes Beispiel: Chlorpyrifos wurde über Jahre im Obst-, Gemüse- und Getreideanbau eingesetzt. Erst bei der Neubewertung wurde deutlich, dass der Stoff die Gehirnentwicklung von Kindern schädigen kann. Seit 2020 ist er in der EU verboten.
Forscher warnen vor dem Wegfall der Kontrollen
Neben den gescheiterten Stoffen gab es noch eine zweite große Gruppe: Für 111 weitere Wirkstoffe beantragten Hersteller keine Verlängerung oder brachen das Verfahren vor einer Entscheidung ab. Nach BR-Angaben nannten Unternehmen dafür unter anderem hohe Kosten und großen Aufwand. In einem Fall erklärte eine Firma, schon vorher erkannt zu haben, dass der Stoff die strengeren Anforderungen wohl nicht erfüllen würde.
- 54 Wirkstoffe nicht erneut genehmigt
- 2 weitere mit nicht ausgeräumtem Risiko
- 111 Stoffe ohne Verlängerungsantrag oder mit Abbruch des Verfahrens
Wissenschaftler sehen die geplante Reform deshalb kritisch. Die Ökotoxikologin Martina Vijver von der Universität Leiden hält die Wiederzulassung für bewährt, weil sich versteckte Gefahren oft erst später zeigen. Fest steht: Auch die 111 Stoffe mit ausgelaufener Zulassung dürfen heute nicht mehr verkauft werden. Wären unbefristete Genehmigungen schon früher die Regel gewesen, wären viele davon wohl weiter auf dem Markt geblieben.
Quelle: Tagesschau