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Musik & Film19. Oktober 2026, 19:00 Uhr · von Redaktion

Doku-Schock um Elizabeth Holmes

In den USA sorgt die Doku „You Can See Everything“ über Elizabeth Holmes für einen Rekordstart: 15 Millionen Dollar am ersten Wochenende. Der fast dreistündige Film zeigt kurz vor Haftantritt ein verstörendes Duell zwischen Holmes und Regisseur Nathan Fielder.

Doku-Schock um Elizabeth Holmes

Foto: OSD Deputy Secretary of Defense / Wikimedia Commons, Public domain

Die US-Dokumentation „You Can See Everything“ ist erst seit Kurzem in den Kinos – und wird schon jetzt heftig diskutiert. Im Mittelpunkt steht Elizabeth Holmes, die einst als Wunderunternehmerin gefeiert wurde und später wegen Betrugs verurteilt wurde. Der fast drei Stunden lange Film begleitet sie in den letzten Tagen, bevor sie ein Bundesgefängnis antreten muss.

Vom Milliarden-Mythos zum Absturz

Holmes galt lange als Ausnahmefigur der Tech- und Biotech-Welt. Mit ihrem Unternehmen Theranos wollte sie Bluttests revolutionieren, Investoren stiegen groß ein, die Firma wurde zwischenzeitlich mit rund neun Milliarden Dollar bewertet. Doch das Bild bekam Risse: Laut den Vorwürfen setzte Theranos heimlich auf herkömmliche Testverfahren. 2018 wurde Holmes angeklagt, im November 2022 folgte das Urteil: 11 Jahre und 3 Monate Haft. Theranos ist inzwischen insolvent und liquidiert.

Die Doku macht daraus aber kein gewöhnliches Porträt. Regisseur Nathan Fielder, bekannt für seine oft unangenehmen und bewusst irritierenden Formate, drehte den Film gemeinsam mit Lance Oppenheim. Fielder verbrachte mehr als einen Monat mit Holmes und ihrer Familie. Gerade diese Nähe sorgt offenbar für die besondere Spannung: Der Film entwickelt sich zu einem seltsamen Kräftemessen zwischen einer verurteilten Betrügerin und einem Filmemacher, der selbst für Täuschung, Inszenierung und absurde Scheinwelten bekannt ist.

Rekordstart und starke Reaktionen

Besonders viel Aufmerksamkeit bekommt der Film, weil er ständig mit den Grenzen zwischen Wahrheit und Inszenierung spielt. Fielder interviewt Holmes und ihren Partner, lenkt das Geschehen aber immer wieder in unerwartete Richtungen. Genau dieses unbehagliche Spiel scheint das Publikum zu fesseln.

  • 15 Millionen Dollar Umsatz am Startwochenende in Nordamerika
  • Laut „Guardian“ der stärkste Doku-Start seit mehr als 20 Jahren
  • Jeweils 99 Prozent bei Rotten Tomatoes und Metacritic

Auch der erste Trailer hatte schon für Aufsehen gesorgt. Statt klassischer Doku-Vorschau setzte er auf eine fast horrorartige Stimmung, geprägt von Unsicherheit und Schwere. Dazu kommen starke Online-Reaktionen, begeisterte Kommentare und schnell kursierende Memes über Holmes und Fielder. Kein Wunder also, dass derzeit viele über diesen Film reden: Er erzählt nicht nur einen Betrugsfall nach, sondern macht das Zuschauen selbst zum beunruhigenden Experiment.

Quelle: SRF