Deutschlands Startups im Fusionsrausch
Vier deutsche Startups wollen bei der Kernfusion mitmischen. Doch obwohl Milliarden in die Technik fließen, bleibt der Weg zum ersten wirtschaftlichen Kraftwerk lang und ungewiss.

Die Vision klingt fast zu gut, um wahr zu sein: riesige Energiemengen, kaum Unfallrisiko, keine klimaschädlichen Emissionen im Betrieb und kein radioaktiver Müll wie bei der klassischen Atomspaltung. Genau deshalb läuft weltweit ein harter Wettlauf um die Kernfusion. Staaten, Unternehmen und Investoren pumpen Milliarden in die Hoffnung auf eine neue Energiequelle für eine immer stärker elektrifizierte Welt.
Der Druck wächst auch deshalb, weil der Strombedarf weiter steigt. Neben Industrie und Verkehr treiben inzwischen auch Rechenzentren für Künstliche Intelligenz den Energiehunger kräftig nach oben. Kernfusion gilt vielen als möglicher Ausweg: Dabei verschmelzen leichte Atomkerne, setzen Wärme frei und diese kann später zur Stromerzeugung genutzt werden – wetterunabhängig und ohne fossile Brennstoffe.
Auch deutsche Firmen wollen vorne mitspielen
Lange stand bei der Fusionsforschung vor allem das große internationale Projekt ITER in Frankreich im Mittelpunkt. An dem Versuchsreaktor sind 35 Länder beteiligt. Doch das staatlich geprägte Mammutprojekt kämpft seit Jahren mit steigenden Kosten und Verzögerungen. Die Inbetriebnahme ist derzeit erst für den Zeitraum 2034 bis 2036 vorgesehen. Parallel dazu hat sich längst eine private Fusionsszene entwickelt.
Nach Angaben von Fusion for Energy arbeiten weltweit inzwischen rund 77 Unternehmen an der Marktreife der Kernfusion. Die meisten sitzen in den USA, weitere in China und Großbritannien. Auch Deutschland ist dabei: Hier haben sich mit Focused Energy, Marvel Fusion, Proxima Fusion und Gauss Fusion gleich vier Startups in Stellung gebracht.
Billig ist das alles nicht. Kernfusion zählt zu den teuersten Technologiefeldern überhaupt. Ohne öffentliche Mittel gerechnet flossen bis Ende 2025 laut Bericht fast 13 Milliarden Euro in die private Fusionsforschung. Gleichzeitig ist offen, ob und wann daraus tatsächlich ein wirtschaftlich nutzbares Kraftwerk entsteht. Sollte der Durchbruch gelingen, wäre der Markt allerdings gewaltig: Bis 2050 könnte der Fusionsenergiesektor laut IAEA auf mehr als 350 Milliarden US-Dollar wachsen.