Chemie-Nobelpreis für Chiralität
Der Chemie-Nobelpreis geht 2026 an Henri B. Kagan und Kenso Soai. Ausgezeichnet wird ihre Arbeit zur Chiralität von Molekülen – ein Grundprinzip, das für Medikamente, Aromen und neue Materialien entscheidend ist.
Der Chemie-Nobelpreis 2026 geht an Henri B. Kagan aus Frankreich und Kenso Soai aus Japan. Gewürdigt wird damit eine Entdeckung, die tief in die Grundlagen der organischen Chemie reicht: die gezielte Steuerung von Chiralität, also der „Händigkeit“ von Molekülen. Gemeint ist damit, dass zwei Verbindungen zwar gleich zusammengesetzt sein können, sich aber wie linke und rechte Hand spiegeln – und dadurch ganz unterschiedlich wirken.
Warum das so wichtig ist
Welche Variante eines Moleküls entsteht, ist in der Chemie alles andere als ein Detail. Die Folgen reichen von Gerüchen bis zu Medikamentenwirkungen. Ein bekanntes Beispiel aus der Quelle: Das Hauptaroma von Kümmel riecht als Spiegelbild plötzlich nach Minze. Noch gravierender ist der Fall Contergan, dessen gespiegelte Formen sehr unterschiedliche Wirkungen haben können. Für die Forschung war deshalb lange klar, dass es Reaktionen geben muss, bei denen bevorzugt nur eine Variante entsteht – offen war nur, wie sich das kontrollieren lässt.
Genau hier setzte die Arbeit der beiden Preisträger an. Kagan, 1930 in Frankreich geboren, zeigte neue Wege auf, chemische Reaktionen so zu beeinflussen, dass am Ende deutlich mehr von einer der beiden spiegelbildlichen Formen entsteht. Das gilt als wichtiger Fortschritt für viele Einsatzfelder.
- relevant für Medikamente
- wichtig für Geschmacks- und Aromastoffe
- bedeutsam für neue Materialien
Ein Experiment mit Signalwirkung
Soai ging noch einen Schritt weiter. Er entwickelte eine Reaktion, bei der nur eine der beiden spiegelbildlichen Varianten entsteht – und das Produkt fördert anschließend sogar seine eigene weitere Bildung. Dieses Prinzip gilt als besonders spektakulär, weil es zeigt, wie eine bestimmte „Händigkeit“ offenbar auch von selbst entstehen und sich verstärken kann. Aus dem Nobel-Komitee wurde das bei der Bekanntgabe sogar als das „coolste Experiment“ der organischen Chemie hervorgehoben.
Der Preis ehrt damit nicht nur zwei einzelne Forscher, sondern ein Konzept, das der Chemie neue Regeln an die Hand gegeben hat. Gerade weil in der Natur viele Moleküle bevorzugt in einer „linkshändigen“ Form vorkommen, ist das Verständnis solcher Prozesse ein Schlüssel dafür, Reaktionen gezielter zu steuern – im Labor und später in praktischen Anwendungen.
Quelle: Tagesschau