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Politik3. Oktober 2026, 15:02 Uhr · von Redaktion

Briten liebäugeln mit der EU

Zehn Jahre nach dem Brexit rückt Großbritannien wieder näher an die EU. Premier Andy Burnham sagt, der Brexit habe mehr geschadet als genutzt – doch ein Wiedereintritt wäre alles andere als einfach.

Briten liebäugeln mit der EU

Zehn Jahre nach dem Brexit wird in Brüssel wieder offener über eine engere Zusammenarbeit mit Großbritannien gesprochen. Auslöser ist eine Aussage von Premier Andy Burnham, der den Brexit für schädlicher als nützlich hält. Dass nun plötzlich über eine mögliche Rückkehr in die EU spekuliert wird, zeigt vor allem eines: Das Verhältnis zwischen London und Brüssel ist wieder deutlich beweglicher geworden.

Mehr Nähe nach der Trennung

In der EU erinnert man sich noch gut an den Austritt des Vereinigten Königreichs. Im Sommer wurde in Brüssel vielerorts daran erinnert, dass die Union durch den Brexit von 28 auf 27 Mitglieder geschrumpft ist. Gleichzeitig gibt es Zeichen neuer Annäherung: Die Aktivistin Ceira Sergeant lief aus Protest gegen den Brexit von Liverpool bis nach Brüssel und übergab dort ein Buch an EU-Abgeordnete.

Die praktische Zusammenarbeit läuft ohnehin längst wieder an. Das Handels- und Kooperationsabkommen zwischen beiden Seiten umfasst mehr als 1.200 Seiten und regelt viele Bereiche des Verhältnisses neu. Dazu gehören unter anderem:

  • Handel
  • Fischerei
  • Strafverfolgung
  • Luftverkehr

Nach Einschätzung des Europaabgeordneten David McAllister gibt es darüber hinaus weiteres Potenzial, etwa bei Sicherheit, Verteidigung, Wirtschaft und Migration. Auch für junge Menschen ist die neue Nähe spürbar: Großbritannien kann wieder am Erasmus-Programm teilnehmen. Zudem sind die Briten seit 2024 wieder im Copernicus-Programm dabei, und Forschende können sich erneut um Mittel aus Horizon bewerben.

Die großen Hürden bleiben

Trotzdem sind die Grenzen klar. Eine volle Gleichstellung mit EU-Mitgliedern gibt es nicht. Besonders beim freien Personen- und Warenverkehr zeigt sich, was der Brexit verändert hat: Für Reisen braucht es nun Visa oder Reisegenehmigungen, Unternehmen kämpfen mit Zollpapieren, Einfuhrumsatzsteuer und zusätzlichen Nachweisen. Gerade im Handel sorgte das für erhebliche Probleme.

Burnhams Satz, dass beim künftigen Kurs alle Optionen auf dem Tisch lägen, hat deshalb zwar neue Debatten ausgelöst. Doch aus einer besseren Zusammenarbeit wird nicht automatisch ein schneller Wiedereintritt. Die politische Fantasie ist da – der Weg dorthin wäre aber kompliziert.

Quelle: Tagesschau