Brasilien wählt Lula oder Bolsonaro
In Brasilien entscheiden heute 158 Millionen Menschen über ein neues Staatsoberhaupt. Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva tritt erneut an, Herausforderer ist Flávio Bolsonaro, der Sohn des verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro.

Foto: Wikimedia Commons / Ricardo Stuckert/PR, CC BY 3.0 br
Brasilien steht erneut vor einem Duell, das viele schon kennen: Lula gegen einen Bolsonaro. Am heutigen Wahltag sind rund 158 Millionen Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, ein neues Staatsoberhaupt zu wählen. Parallel geht es auch um Gouverneursposten und Sitze im Parlament. Im Zentrum aber steht die Frage, welchen Kurs das größte Land Lateinamerikas einschlagen will.
Lula setzt auf Erfahrung
Präsident Luiz Inácio Lula da Silva tritt mit 80 Jahren für eine weitere Amtszeit an. Im Wahlkampf verweist der Linkspolitiker auf frühere Erfolge seiner Regierungen: Sozialprogramme, die viele Menschen aus Hunger und Armut holten, stärkere Exporte und weniger Entwaldung im Amazonas. Auch bei seinem Auftritt vor der UN-Generalversammlung in New York inszenierte sich Lula als erfahrener Staatsmann, der Brasiliens Eigenständigkeit betont und für eine multipolare Weltordnung wirbt.
Dabei sendete er auch ein Signal in Richtung Washington. Lula machte klar, dass Brasilien sich nicht unterordnen wolle. Das war zugleich eine Spitze gegen das wieder gewachsene Interesse der USA an Lateinamerika und dessen Rohstoffen. Der Wahlausgang ist deshalb nicht nur im Land selbst wichtig, sondern wird auch international aufmerksam verfolgt.
Bolsonaro-Name bleibt im Rennen
Auf der anderen Seite steht mit Flávio Bolsonaro der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro. Der Ex-Staatschef sitzt im Hausarrest und wurde wegen eines versuchten Staatsstreichs zu 27 Jahren Haft verurteilt. Seine Anhänger sehen ihn dennoch als politisch Verfolgten. Nun soll sein ältester Sohn das politische Erbe weitertragen.
- Schwerpunkte im Bolsonaro-Lager: Gott, Familie, Vaterland
- Zentrales Wahlkampfthema: öffentliche Sicherheit
- Flávio Bolsonaro kündigt einen harten Kurs gegen Kriminelle an
Wie schon 2022 kreist damit vieles um dieselben Namen, aber diesmal mit neuer Rollenverteilung. Während Lula auf Erfahrung und internationale Präsenz setzt, versucht Flávio Bolsonaro, die Mobilisierungskraft seines Vaters zu nutzen. Offen ist nicht nur, wer gewinnt - sondern auch, ob Brasilien in der Region ein politisches Gegengewicht bleibt oder weiter nach rechts rückt.
Quelle: Tagesschau