Brasilien wählt auch den Wald
In Brasilien geht es bei der Präsidentschaftswahl am 4. Oktober nicht nur um Macht, sondern auch um den Amazonas. Unter Lula ist die Abholzung seit 2022 etwa halbiert worden, doch mit Flávio Bolsonaro droht ein Kurswechsel.

Foto: Wikimedia Commons / Ricardo Stuckert/Presidência da República, CC BY 3.0 br
Die Präsidentschaftswahl am 4. Oktober in Brasilien entscheidet nicht nur über die politische Führung des Landes. Sie könnte auch prägen, wie es mit dem Amazonas-Regenwald weitergeht. Denn während unter Luiz Inácio Lula die Abholzung zuletzt deutlich zurückgegangen ist, steht mit Flávio Bolsonaro ein Herausforderer bereit, der für die politische Linie seines Vaters steht – und in dessen Regierungszeit die Entwaldung stark zunahm.
Weniger Rodung unter Lula
Seit 2022 hat sich die Abholzung im brasilianischen Amazonasgebiet laut SRF etwa halbiert. Ein wichtiger Baustein dabei ist das staatliche Frühwarnsystem DETER. Satelliten erfassen seit 2004 Veränderungen im Regenwald, Algorithmen schlagen bei verdächtigen Flächen Alarm. Die Daten landen innerhalb weniger Stunden bei den Behörden, die dann gegen illegale Rodungen vorgehen können.
Wie wirksam dieses System ist, hängt aber nicht nur von der Technik ab, sondern vor allem von der Politik. Seit Lulas Rückkehr 2023 setzt die Regierung wieder stärker auf Kontrollen. Trotzdem bleiben Probleme bestehen: illegaler Bergbau, Brandrodung und Landnahmen sind in Teilen des Amazonas weiterhin Thema.
Streit um Kontrolle und Kredite
Schon die Jahre ab 2019 hatten gezeigt, wie schnell sich der Kurs ändern kann. Mit Jair Bolsonaro wurden die Satellitendaten zwar weiter erfasst, doch ihre Veröffentlichung sollte stärker kontrolliert werden. Der Direktor des nationalen Instituts für Weltraumforschung wurde entlassen, Sanktionen und Embargos gingen zurück, Fachleute warnten damals vor einem Umwelt-Informationsblackout.
- Seit 2022: Abholzung etwa halbiert
- Seit 2004: Satelliten-Frühwarnsystem im Einsatz
- Geplante strengere Kreditprüfungen: auf 2027 verschoben
Besonders umkämpft ist die Frage, ob Banken bei Agrarkrediten künftig schon vorab mithilfe von Satellitendaten prüfen sollen, ob auf einer Fläche gerodet wurde. Wer auffällt, müsste belegen, dass die Rodung legal war. Die Regierung Lula wollte diese Kontrolle ausweiten, doch auf Druck des Agrarsektors wurde die Einführung auf 2027 verschoben. Ob die Regel dann überhaupt kommt, dürfte auch von den Mehrheiten nach der Wahl abhängen.
Quelle: SRF