Bolsonaro sucht Schutz in Miami
Nach seiner Wahlniederlage ist Flávio Bolsonaro in Miami aufgetaucht. Die geänderte Selbstdarstellung des Politikers wirft neue Fragen auf: Wie weit würde Donald Trump im Konflikt mit Brasiliens Präsident Lula gehen?

Flávio Bolsonaro ist entgegen seiner früheren Ankündigung nun doch in Miami. Noch am Montag hatte er erklärt, in Brasilien bleiben und die Opposition anführen zu wollen. In den USA bezeichnete er sich zunächst als „wahren gewählten Präsidenten Brasiliens“, strich diese Formulierung später aber wieder. Übrig blieb nur noch die Selbstbeschreibung als „Anführer Brasiliens“.
Gerade diese Änderung sorgt für politische Brisanz. Denn US-Präsident Donald Trump hat Bolsonaro zwar aufgenommen und zugleich ohne Belege Zweifel an der brasilianischen Wahl geäußert. Als Präsidenten anerkannt hat er ihn jedoch nicht. Auch erhielt Bolsonaro laut Bericht lediglich eine vorläufige Einreisegenehmigung, kein politisches Asyl. Die offene Frage lautet nun: Will Washington ihm nur Schutz bieten – oder mehr?
Wahlkampf-Nachspiel mit großer Wirkung
Bolsonaro hatte die Stichwahl gegen Amtsinhaber Lula mit 48,21 zu 51,79 Prozent verloren. Hinweise auf Manipulationen gibt es laut Bericht nicht. Trotzdem reicht der Streit weit über die persönliche Zukunft des unterlegenen Kandidaten hinaus. Schon vor der Wahl soll Bolsonaro in Washington dafür geworben haben, die brasilianischen Gruppen PCC und Comando Vermelho als Terrororganisationen einstufen zu lassen. Die Trump-Regierung setzte das später um.
- Lula reagierte damals empört und verwies auf Brasiliens Souveränität.
- Er warf Bolsonaro vor, in Washington um ein Eingreifen der USA zu bitten.
- Als wahrscheinlicher als ein Militäreinsatz gelten im Fall Brasiliens mögliche Sanktionen.
Brasilien im Fokus von Trumps Kurs
Hinter dem Machtkampf steht laut SRF auch Trumps geopolitische Linie in der westlichen Hemisphäre. China und Russland sollen zurückgedrängt werden, zugleich geht es um Rohstoffe, Handelsbeziehungen und Einfluss. Ein von Lula geführtes Brasilien passt dabei offenbar schlecht in dieses Bild: Das Land ist Gründungsmitglied der BRICS-Gruppe, China ist sein wichtigster Handelspartner, und Lula setzt auf eine eigenständige Außenpolitik.
Genau deshalb könnte die Bolsonaro-Familie für Trump als ideologischer Partner interessant sein. Noch vermeiden Washington und Brasília die direkte Eskalation. Doch mit Bolsonaros Ankunft in Miami steht mehr denn je die Frage im Raum, wie weit die Unterstützung aus den USA tatsächlich gehen könnte.
Quelle: SRF