BH-Polster sorgen für Wirbel
Bei der Tour de France Femmes gibt es Streit um mögliche Aero-Tricks im Zeitfahren. Mehrere Teams befürchten Vorteile durch zusätzliche BH-Einlagen, die laut Studie bis zu 0,78 Sekunden pro Kilometer bringen könnten.

Bei der Tour de France Femmes sorgt ein ungewöhnlicher Verdacht für Diskussionen: Mehrere Teams befürchten, dass einzelne Fahrerinnen im Zeitfahren mit zusätzlichen Polsterungen im BH oder mit Einlagen unter dem Trikot einen aerodynamischen Vorteil erzielen könnten. Der Vorwurf lautet, dass damit die Körperform künstlich verändert wird, um den Luftwiderstand zu senken.
Brisant ist das Thema auch deshalb, weil der Weltverband UCI solche Eingriffe klar untersagt. Laut Regel Artikel 1.3.032 ist Bekleidung oder Zubehör verboten, wenn dadurch die natürliche Form des Körpers verändert und ein Aero-Vorteil geschaffen wird. Genau hier setzen mehrere Teams mit ihrer Kritik an: Sie halten die Kontrollen im Rennalltag für zu lasch.
Warum das im Zeitfahren helfen kann
Radsportexpertin Michelle Andres verweist darauf, dass der Effekt schon bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 aufgefallen sei. Gerade in der Zeitfahrhaltung komme es darauf an, Luftverwirbelungen möglichst gering zu halten. Eine größere Brustfläche könne dazu beitragen, den Luftstrom günstiger um den Körper zu lenken.
- Ziel ist weniger Luftwiderstand in der Aero-Position
- Eine veränderte Brustform kann die Anströmung des Körpers beeinflussen
- Der Effekt könnte über die Distanz messbar Zeit bringen
Studie rechnet mit spürbarem Vorteil
Unterstützt wird die Debatte durch Forschung aus Belgien. Der Aerodynamik-Professor Bert Blocken untersuchte im Windkanal das sogenannte „Chest Fairing“, also eine künstlich vergrößerte Brustfläche. Laut den erhobenen Daten kann dadurch der Gesamtwiderstand sinken. Im günstigsten Fall seien bis zu 0,78 Sekunden pro Kilometer drin.
Auf eine Strecke von 21 Kilometern hochgerechnet, wie beim Zeitfahren der 4. Etappe von Gevrey-Chambertin nach Dijon, ergäbe das rund 16 Sekunden Vorteil. Zum Vergleich: Marlen Reusser gewann dieses Zeitfahren mit vier Sekunden Vorsprung auf Lieke Nooijen, die wiederum 14 Sekunden vor Demi Vollering lag. Vor der 4. Etappe reagierte die UCI deshalb und kündigte laut AFP strengere Bekleidungskontrollen vor dem Start an.