Bazyar holt den Buchpreis
Die Autorin Shida Bazyar ist in Frankfurt am Main mit dem Deutschen Buchpreis für ihren Roman „Die Lücken“ ausgezeichnet worden. Die Jury lobt das Werk als eindringlichen Roman gegen Gleichgültigkeit.

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Shida Bazyar ist in Frankfurt am Main mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. Prämiert wurde ihr Roman „Die Lücken“, den die Jury als literarisch kraftvolles Werk würdigt, das deutsche Geschichte über fast ein Jahrhundert hinweg aus sehr unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.
Im Mittelpunkt steht ein fiktiver Ort im Hunsrück, angelehnt an Bazyars Geburtsort. Die Erzählerin des rund 500 Seiten langen Romans ist bereits tot und kehrt mit neuem Wissen über die NS-Zeit an den Ort ihrer Kindheit zurück. Dort treffen verschiedene Geschichten aufeinander: von jüdischen Familien, von Menschen, die vom Nationalsozialismus profitiert haben, und von kurdischen sowie iranischen Geflüchteten, die in Deutschland Schutz suchen.
Jury lobt Form und Haltung
Nach Ansicht der Jury überzeugt das Buch nicht nur inhaltlich, sondern auch formal. Besonders hervorgehoben wurden der Blick der toten Erzählerin, die Sprünge zwischen verschiedenen Zeiten und die wechselnden Sprachregister über rund hundert Jahre hinweg. Außerdem lotet der Roman laut Jury die Grenzen des Heimatromans neu aus und erweitert ihn um einen transnationalen Blick.
- Auszeichnung: Deutscher Buchpreis
- Autorin: Shida Bazyar
- Titel: „Die Lücken“
- Schauplatz: fiktiver Ort im Hunsrück
Ernste Worte bei der Preisverleihung
In ihrer Dankesrede machte Bazyar deutlich, dass sich unbeschwerte Freude für sie angesichts des Themas ihres Buches schwierig anfühle. Der Roman handele von Menschen, die verfolgt, terrorisiert und ermordet wurden. Die Anerkennung, die sie erhalte, solle deshalb vor allem den Figuren und den Erfahrungen gelten, von denen das Buch erzählt.
Zugleich nutzte die Autorin die Bühne im Frankfurter Römer für einen politischen Appell. Sie verwies darauf, dass antisemitische und rassistische Straftaten in Deutschland ein alarmierendes Ausmaß erreicht hätten. Zum Schluss erinnerte sie mit einem Satz von Hannah Arendt daran, wie gefährlich Gleichgültigkeit und Wegsehen werden können. Genau darin liegt auch die Wucht dieses preisgekrönten Romans.
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