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Finanzen4. Juli 2026, 22:02 Uhr · von Redaktion

Bahnplan bis zum Golf

Die Türkei treibt ein ehrgeiziges Schienenprojekt Richtung Persischer Golf voran. Im Fokus stehen vor allem Gütertransporte – und eine alte Strecke aus osmanischer Zeit.

Bahnplan bis zum Golf

Die Türkei will eine historische Idee in modernisierter Form wieder auf die Schiene setzen. Präsident Recep Tayyip Erdogan knüpft dabei an die Zeit des Osmanischen Reichs an, in der grosse Verkehrsprojekte auch politische Bedeutung hatten. Vorbild ist die einstige Hejaz-Bahn, die um 1900 auf Befehl von Sultan Abdülhamid II. gebaut wurde und durch Teile des heutigen Syrien und Jordanien bis nach Medina führte.

Damals sollte die Strecke Pilgern die Reise zu den heiligen Städten des Islams erleichtern und zugleich die Versorgung auf der arabischen Halbinsel sichern. Reste dieses alten Netzes sind laut SRF bis heute im Nahen Osten zu sehen. Auch deutsche Ingenieure waren damals am Bau des osmanischen Eisenbahnnetzes beteiligt.

Fracht hat Vorrang

Die Neuauflage der Verbindung soll nun vor allem wirtschaftlichen Nutzen bringen. Der türkische Verkehrsminister Abdulkadir Uraloglu machte im Interview mit Al Jazeera deutlich, dass nicht der Personenverkehr, sondern der Warentransport im Mittelpunkt steht. Über das geplante Netz könnten Öl und andere Rohstoffe vom Golf transportiert werden. Auch Güter aus Fernasien, die in Häfen im Oman auf Züge umgeladen würden, sind Teil der Überlegungen.

Nach Darstellung des Ministers sind Saudi-Arabien und die Türkei die treibenden Kräfte des Projekts. Erdogan und der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman haben demnach bereits darüber gesprochen, inzwischen gibt es auch eine Absichtserklärung. Für Pilger wäre die Strecke dennoch nicht mehr durchgehend bis zu den heiligen Städten gedacht: Sie müssten in der saudischen Hauptstadt Riad umsteigen.

Beim Ausbau sehen die Beteiligten offenbar nur noch eine entscheidende Lücke. Saudi-Arabien habe die Trasse quer durchs Land bis fast an die jordanische Grenze fertiggestellt, in der Türkei reicht das Hochgeschwindigkeitsnetz bald weit in den Südosten Anatoliens. Offen ist vor allem noch ein rund 400 Kilometer langer Abschnitt durch Jordanien und Syrien – also genau jener Bereich, der schon das Kernstück der historischen Hejaz-Linie war.