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Sport30. Juli 2026, 17:02 Uhr · von Redaktion

Angriff auf die Fifa

Ein Gastbeitrag aus der Schweiz rechnet mit der Fifa ab. Wirtschaftsethiker Thomas Beschorner hält echte Reformen für unrealistisch und bringt sogar einen neuen Fußball-Weltverband ins Spiel.

Angriff auf die Fifa

Die Kritik an der Fifa reißt nach der jüngsten Fußball-WM nicht ab. Zwar habe das Turnier auf dem Platz überzeugt, doch abseits des Rasens sei der Weltverband erneut mit ethischen Verstößen aufgefallen, schreibt Thomas Beschorner in einem Gastbeitrag. Für den Direktor des Instituts für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen ist das kein Ausrutscher, sondern Ausdruck eines tieferliegenden Problems.

Im Zentrum seiner Kritik steht die Struktur des Verbands. Beschorner verweist auf eine starke Machtkonzentration innerhalb der Fifa. Dazu kommen neue Vorwürfe gegen Gianni Infantino, der sich laut Beitrag wegen möglichem Amtsmissbrauch im Zusammenhang mit seiner Wiederwahlkampagne Kritik stellen muss. Außerdem sei bekannt geworden, dass die Fifa den Fußball weiter kommerzialisieren wolle, indem Anteile an der WM an eine Investorengruppe verkauft werden sollen.

Reformen? Aus seiner Sicht kaum realistisch

Beschorner hält interne Korrekturen für wenig wahrscheinlich. Die bisherigen Ethik-Gremien der Fifa hätten über Jahre eher symbolisch gewirkt als tatsächlich Einfluss genommen. Kritische Stimmen seien in mehreren Fällen sogar ausgebremst oder entfernt worden. Sein Fazit: Das Problem sei nicht punktuell, sondern strukturell.

  • Macht sei in der Fifa stark gebündelt
  • Ethik-Kommissionen hätten laut Beitrag kaum echten Einfluss
  • Die Kommerzialisierung des Weltfußballs nehme weiter zu

Gedankenspiel mit Sprengkraft

Deshalb bringt der Professor eine radikalere Option ins Gespräch: die Abschaffung der heutigen Fifa und den Aufbau eines neuen Weltverbands. Möglich sei das grundsätzlich, weil die Fifa ein Zusammenschluss nationaler Verbände ist und Mitgliedschaften beendet werden könnten. Besonders ein Ausstieg der starken europäischen Verbände oder der gesamten UEFA würde die bisherige Ordnung massiv erschüttern.

Sein Gedankenspiel ist klar: Wenn genügend große Fußballnationen einen neuen Verband mit eigenem Turnier aufbauen würden, wäre ein Fifa-World-Cup in seiner bisherigen Form kaum noch das Maß aller Dinge. Beschorners Appell zielt damit über die aktuelle Empörung hinaus: Wer den Fußball schützen will, müsse nicht nur Fehlverhalten kritisieren, sondern die Machtstrukturen dahinter infrage stellen.