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Politik23. September 2026, 07:04 Uhr · von Redaktion

Alarm aus Oleschky

In der russisch besetzten Stadt Oleschky im Süden der Ukraine wird vor einer Hungersnot gewarnt. Laut ukrainischer Militärverwaltung leben dort noch rund 6000 Menschen, darunter 180 Kinder, ohne Strom, Gas und verlässliche Lebensmittelversorgung.

Alarm aus Oleschky

Foto: ru:user:Gottinight / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Die humanitäre Lage in Oleschky im Süden der Ukraine wird immer dramatischer. Nach Angaben von Tetjana Hasanenko, Leiterin der ukrainischen Militärverwaltung der Gemeinde, seien zuletzt Ende Mai Lebensmittel in den Ort gebracht worden. Sie spricht inzwischen nicht mehr nur von Hunger, sondern von einer Hungersnot.

Oleschky liegt in der Region Cherson am linken Ufer des Dnipro und steht seit Beginn der großangelegten russischen Invasion unter Besatzung. Zusätzliche Schäden brachte die Flut nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms im Juni 2023. Hasanenko berichtet, dass sich die Lage vor allem seit dem Winter weiter zugespitzt habe: Schnee habe Minen auf den Straßen verdeckt, es habe immer wieder Explosionen gegeben, während die letzten Vorräte aufgebraucht worden seien.

Kaum Essen, kein Strom, kein Gas

Besonders deutlich wird die Not in den Berichten der Bewohner. Ein Mann schickte ein Foto seines sogenannten „Oleschky-Borschtschs“ an die Verwaltung — eine Suppe aus wenigen Gemüseresten, ergänzt mit Hirse und Eiern. Eine Einwohnerin schilderte der DW am Telefon, dass sie mittags noch nichts gegessen habe und nur einen einfachen Fladen aus Wasser und Mehl mit etwas Apfelmus und ungesüßtem Tee zur Verfügung habe.

  • In der Gemeinde leben laut Verwaltung noch etwa 6000 Menschen
  • Darunter sind 180 Kinder
  • Strom und Gas gibt es seit Langem nicht mehr
  • Wasser holen die Bewohner aus Brunnen

Tauschhandel statt Versorgung

Nach Angaben der Bewohner gehen viele Menschen nur am frühen Morgen nach draußen. Auf dem Marktplatz tauschen sie Nachrichten, Lebensmittel aus Gärten und übrige Vorräte. Eine Frau berichtete zudem, dass ihre Wohnung durch Beschuss zerstört worden sei und auch das Haus, in das sie danach zog, später von einer Granate getroffen wurde.

Seit dem Frühjahr verhandelt die Ukraine nach eigenen Angaben mit Russland über eine Evakuierung der Zivilbevölkerung. Bisher gebe es jedoch keine Zusage aus Moskau für eine humanitäre Operation. Solange das so bleibt, steuern die Menschen in Oleschky auf einen Winter zu, der schon jetzt als existenzielle Bedrohung gilt.

Quelle: DW Deutsch